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Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Zandvoort
MAX VERSTAPPEN: Am Ende war es ganz gut, dass von der Nordsee immer wieder dunkle Regenwolken über die Strecke zogen. Und auch, dass Red Bull in der ersten Runde die Strategie vermurkste und den Weltmeister nicht zum Reifenwechsel holte. So sah es sogar Max Verstappen selbst. "So hat das Rennen mehr Spaß gemacht", sagte er, "ich musste ein paar Autos überholen." Das kommt selten vor für den Red-Bull-Star, aber ein schnöder Start-Ziel-Sieg wäre dem Anlass ja auch nicht angemessen gewesen. Der neunte Sieg in Folge ist nicht irgendein Rekord, Sebastian Vettel schaffte diese Serie in seinem geradezu unwirklichen zweiten Halbjahr 2013, als er jedes Rennen nach der Sommerpause gewann. Bis Sonntag war das eine einzigartige Leistung in der Formel-1-Geschichte - in einer Woche schon könnte Vettel seinen Rekord nun ganz sein. Denn nichts spricht dagegen, dass Verstappen auch in Monza gewinnt. Und danach in Singapur. Und danach in Japan. Oder eben jedes Rennen bis zum Ende der Saison.
FERNANDO ALONSO: Der große Sieger, der Rekordjäger, das war am Sonntag in Zandvoort Max Verstappen. Der Fahrer des Tages war für die Fans aber ein anderer, die Abstimmung war eindeutig: Fernando Alonso zeigte im Regen mal wieder, welch großer Rennfahrer er immer noch ist. Auf Slicks war er auf nasser Strecke zu Beginn eine Klasse für sich, später trieb er den vermeintlich unantastbaren Verstappen geradezu vor sich her. Rang zwei im Aston Martin war mal wieder ein Ausweis seiner Klasse - und man würde sich wirklich sehr wünschen, Alonso mal im Red Bull gegen Verstappen fahren zu sehen. Wer gewänne im Kampf mit gleichen Waffen? Auch der Spanier wurde das in Zandvoort gefragt. "Na ich!", wird er vermutlich gedacht haben, sonst wäre Alonso nicht mehr Alonso. Gesagt hat er das nicht, dieser Tag sollte wohl Verstappen gehören. "Max ist momentan einfach häufiger bei 100 Prozent als wir alle", meinte er bloß.
NICO HÜLKENBERG: Es hätte ein schönes Wochenende werden können für den Rheinländer. Neuer Vertrag bei Haas am Donnerstag, die Zukunft geklärt, dazu das Rennen in Zandvoort, wo er sich fast heimisch fühlt. Doch es wurde ein "nerviger" Sonntag: "Zufrieden können wir nicht sein." Als Zwölfter verpasste Hülkenberg die Punkte und gab sich selbst die Schuld. "Wir haben in der ersten Runde eine gute Möglichkeit vergeben", sagte er, "das Team und ich auch." Wie einige andere hatten sie auf einen sofortigen Reifenwechsel im einsetzenden Regen verzichtet, später war man schlauer: "Wir hätten stoppen müssen. Die ersten fünf Runden waren dann nur ein Überlebenskampf, da haben wir gefühlt einen halben Tag verloren."
FERRARI UND MERCEDES: Das erste Rennen nach der Sommerpause wirkte wie eine Zeitreise zurück zum Jahresbeginn: Nur Alonso kann ein bisschen folgen, die vermeintlich Großen haben gar nichts mit der Jagd auf Max Verstappen zu tun. Für Ferrari und Mercedes war Zandvoort ein Rückschlag, nichts scheint voranzugehen. Die Plätze fünf und sechs für Carlos Sainz (Ferrari) und Lewis Hamilton (Mercedes) waren Schadensbegrenzung, der jeweils zweite Pilot hatte gar nichts zu lachen. Charles Leclerc zerstörte sich seinen Ferrari früh und machte seinem Rennstall vor dem Heimspiel in Monza viele Sorgen. George Russells Auftritt war schon nach der Entscheidung gegen einen ganz frühen Stopp gelaufen. Ein "monumentaler Fehler" sei das gewesen, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, "das hat uns das ganze Rennen ruiniert."
SPRUCH DES WOCHENENDES: "Ich habe überlegt, Max noch mal richtig anzugreifen. Aber ich hatte Angst, dass ich dann die Strecke nicht mehr heil verlasse." (Alonso auf dem Podium-Interview in Richtung der Verstappen-Fans.)
H.Thompson--AT