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Mindestens vier Tote nach Brand im berüchtigten Ewin-Gefängnis im Iran
Im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran ist es zu Zusammenstößen und einem Brand mit mindestens vier Todesopfern gekommen. Wie die iranische Justiz am Sonntag mitteilte, starben bei dem Brand am Samstagabend vier Gefangene an Rauchvergiftungen. 61 weitere Häftlinge seien verletzt worden. Die landesweiten Massenproteste, die vor einem Monat durch den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini ausgelöst wurden, gingen unterdessen weiter.
Videos in den Online-Netzwerken zeigten Flammen und eine Rauchwolke über dem für die Misshandlung von politischen Gefangenen berüchtigten Gefängnis im Norden der iranischen Hauptstadt. Aus dem riesigen Komplex waren auch Schüsse und Explosionen zu hören.
Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete "Unruhen" in dem Gefängnis. "Randalierer" hätten sich Zusammenstöße mit Gefängnisangestellten geliefert und das Kleiderlager der Haftanstalt in Brand gesteckt. Am späten Abend meldete die Justiz, das Feuer sei wieder gelöscht. Mit den Massenprotesten im Iran hätten die Zusammenstöße "nichts zu tun" gehabt, meldete Irna.
Menschenrechtsorganisationen berichteten von Solidaritätsprotesten mit den Ewin-Häftlingen in Teheran. Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) wurden umliegende Straßen gesperrt, um Proteste an der Haftanstalt zu unterbinden. Der Twitterkanal 1500tasvir, der regelmäßig über die Proteste und Polizeigewalt im Iran berichtet, verbreitete ein Video, auf dem "Tod dem Diktator"-Rufe zu hören waren.
In Ewin-Gefängnis sind Berichten zufolge hunderte Menschen inhaftiert, die während der Massenproteste festgenommen wurden. Auch der bekannte iranische Filmemacher Jafar Panahi und der Reformpolitiker Mustafa Tadschsadeh sitzen im Ewin-Gefängnis. Unter den Häftlingen sind auch mehrere Ausländer oder Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft wie die französisch-iranische Forscherin Fariba Adelkhah.
Der US-Bürger Siamak Namazi blieb unverletzt, wie sein Anwalt Jared Genser unter Berufung auf die Familie mitteilte. Die australische Wissenschaftlerin Kylie Moore-Gilbert, die selbst lange im Ewin-Gefängnis festgehalten worden war, sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie habe gehört, dass alle weiblichen politischen Gefangenen in Sicherheit seien.
Der Iran wird seit einem Monat von heftigen Protesten erschüttert. Ausgelöst wurden sie durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini. Die 22-Jährige war am 16. September in Teheran gestorben, nachdem sie drei Tage zuvor von der Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen wurde, ihr Kopftuch nicht den strengen Vorschriften entsprechend getragen zu haben.
Bei einer Demonstration an der Schariati-Universität in Teheran riefen Frauen ohne Kopftücher am Samstag Slogans wie "Die Mullahs sollen sich verziehen!", wie ein Online-Video zeigte. In Hamedan westlich von Teheran attackierten Demonstranten Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen, wie von AFP verifizierte Videos zeigten. Weitere Proteste wurden unter anderem aus Isfahan, Kermanschah und Ardabil gemeldet.
Wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstrierende im Iran hatten sich die EU-Länder auf neue Sanktionen gegen Teheran geeinigt. Laut Diplomatenkreisen sollen die EU-Außenminister die Strafmaßnahmen am Montag bei einem Treffen in Luxemburg offiziell beschließen.
Eine Solidaritätsbekundung von US-Präsident Joe Biden mit den Demonstrierenden im Iran wies Teheran am Sonntag als Einmischung zurück. "Der Iran ist zu stark, als dass sein Wille durch die Einmischung eines Politikers gebrochen werden kann, der nach Jahren des Scheiterns müde ist", erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani.
M.King--AT