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Tausende bei Abschlusskundgebungen von Lula und Bolsonaro vor Stichwahl in Brasilien
Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien sind am Samstag tausende Anhänger beider Kandidaten auf die Straße gegangen. Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva fuhr am berühmten Strand von Copacabana in Rio de Janeiro auf der Ladefläche eines Lastwagens durch eine riesige Menge seiner Anhänger. Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro scharte in Belo Horizonte, der Hauptstadt des südöstlichen Bundesstaats Minas Gerais, tausende Anhänger um sich.
Lula bewegte sich bei seiner Abschlusskundgebung rhythmisch zur Musik und schüttelte Hände seiner Anhänger, die zumeist in Rot, der Farbe der brasilianischen Arbeiterpartei PT, gekleidet waren. "Hier muss das Volk entscheiden: Soll es einer sein, der die Nationalflagge küsst, oder einer, der die US-Flagge küsst", sagte Lula in Anspielung auf Bolsonaros Nähe zu US-Präsident Donald Trump.
In Belo Horizonte trugen viele von Bolsonaros Anhängern das gelbe Trikot der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, zu den Teilnehmern der Kundgebung zählten zahlreiche Motorradfahrer. "Die Partei, die derzeit an der Macht ist, will die Menschen abhängig vom Staat machen", sagte einer von Bolsonaros Anhängern, der Unternehmenschef Ebert Dorigo.
Bolsonaro wollte nach der Kundgebung in Belo Horizonte noch das Haus in Rio de Janeiro besuchen, in dem sich sein Vater, der rechtsextreme Ex-Präsident Jair Bolsonaro, von einem Messerangriff während seines erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampfs 2018 erholt hatte.
Wegen eines Putschversuchs gegen Lula nach seiner Abwahl war Jair Bolsonaro später zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Aus gesundheitlichen Gründen verbüßt er seine Strafe mittlerweile im Hausarrest. Sein Sohn Flávio soll nun sein politisches Erbe antreten.
Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte Flávio Bolsonaro überraschend mit 47 Prozent der Stimmen gewonnen. Lula kam auf 45 Prozent. Seitdem wurde der Wahlkampf noch hitziger.
Bei der Stichwahl am Sonntag zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Datafolha ergab ein Patt von jeweils 50 Prozent für die beiden Kandidaten.
Der Urnengang in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft ist eine bedeutende Richtungswahl. Der seit 2023 erneut regierende Lula, der kommende Woche 81 Jahre alt wird, steht für umfangreiche Sozialprogramme, Klimaschutz und Multilateralismus. Nach Lulas Niederlage in der ersten Wahlrunde richtete sein Wahlkampfteam seine Kampagne neu aus und setzte verstärkt auf Präsenz in den Online-Netzwerken.
Flávio Bolsonaro will hart gegen die Kriminalität im Land vorgehen und eine halbe Million zusätzliche Haftplätze in Brasiliens Gefängnissen schaffen. Außerdem hat er angekündigt, die Staatsausgaben zurückzufahren. Im Falle seiner Wahl will der Politikerspross außerdem seinen Vater und die anderen Teilnehmer des Putschversuchs gegen Lula begnadigen.
H.Thompson--AT