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Angriffe auf Umspannwerke: Amprion-Chef will für Unternehmen mehr Befugnisse
Angesichts von Angriffen auf das Stromnetz in Deutschland hat der Chef des Netzbetreibers Amprion, Christoph Müller, die Lockerung mehrerer Vorschriften gefordert, damit Unternehmen sich besser schützen können. So sollte der Bund Drohnenüberflüge erlauben - "Drohnen sind eine Chance, die wir derzeit nur in sehr speziellen Fällen nutzen dürfen", sagte Müller der "Rheinischen Post" vom Samstag. Drohnen könnten regelmäßig Leitungen abfliegen und überwachen - "das dürfen wir bislang nicht".
Bund und Länder müssten zudem die Videoüberwachung um Anlagen herum erlauben, forderte der Amprion-Chef. Bislang dürften die Unternehmen mit den Kameras nur das eigene Gelände beobachten, nicht aber die Umgebung, sagte Müller der Zeitung. "Sonst bekommen wir gleich Post von den Datenschutzbeauftragten."
Er forderte die Bundesregierung zudem auf, Transparenzvorschriften zu entschärfen: "Die Wirtschaft muss viele Angaben zu Strom- und Gasnetzen öffentlich machen und ins Netz stellen. So machen wir es Attentätern unnötig leicht - egal, aus welcher Ecke sie kommen."
Am Umspannwerk von Amprion in Bergheim war am Dienstag vorsätzlich ein Kurzschluss ausgelöst worden; der Energieversorger RWE musste fünf Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen. Am Umspannwerk in Dormagen wurden in der Nacht zu Freitag laut Müller "verdächtige Vorrichtungen" gefunden; die Polizei ermittle. Laut "Rheinischer Post" handelte es sich um eine Abschussanlage.
Am Dienstag war auch ein Anschlag auf ein Umspannwerk in der Nähe eines Kohlekraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde verübt worden. Dort und bei Bergheim wurden nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Die Ermittler fahnden mit Hochdruck nach einem Verdächtigen. Er hat zwei als authentisch eingeschätzte Bekennerschreiben verfasst, in seinem Wohnhaus in Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen fand die Polizei laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) "sprengstoffverdächtige Gegenstände". Er gehe von einem Fall von "Klimaextremismus" aus, sagte Dobrindt.
Am Freitag wurden laut "Bild"-Zeitung auch in Sachsen Sprengvorrichtungen in der Nähe von zwei Umspannwerken entdeckt. Ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstagmorgen, ein tags zuvor begonnener Polizeieinsatz "nördlich von Bautzen" laufe vorerst weiter. Es gehe um die "Sicherung der Objekte". Aus "ermittlungstaktischen Gründen" wollte der Sprecher zunächst keine weiteren Angaben machen.
T.Perez--AT