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Iran greift erstmals seit Beginn der Waffenruhe Israel mit Raketen an
Israel ist am Sonntag erstmals seit Inkrafttreten einer Waffenruhe Anfang April wieder Ziel von iranischen Raketen geworden. "Vor kurzem hat die Armee Raketen identifiziert, die vom Iran in Richtung des israelischen Staatsgebiets abgefeuert wurden", teilte das israelische Militär mit. Der Iran erklärte, Israel habe mit seinem jüngsten Angriff auf Beirut "alle roten Linien überschritten". Die Revolutionsgarden bezeichneten den Raketenangriff als "Warnung".
Im Norden und im Zentrum Israels, darunter in den Städten Haifa, Caesarea und Hadera, wurde Luftalarm ausgelöst. Wenige Minuten später meldete die Armee eine zweite aus dem Iran kommende Raketensalve. "Eine weitere Welle von Raketen ist in Richtung des Staates Israel abgefeuert worden", hieß es in einer Mitteilung. "Das Luftabwehrsystem identifiziert und fängt derzeit die Bedrohungen ab." Bisher seien alle Raketen abgefangen worden. Das Bildungsministerium und die Armee teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass alle Schulen geschlossen würden.
Das libanesische Gesundheitsministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einem israelischen Luftangriff auf die südlichen Vororte von Beirut zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden seien. Der Luftangriff habe dem Gebiet Mreijeh am südlichen Stadtrand von Beirut gegolten, teilte das Ministerium mit. Er habe zu "zwei Märtyrern und 20 Verletzten geführt, darunter vier Kinder und vier Frauen".
Die iranischen Streitkräfte warfen Israel vor, mit dem jüngsten Angriff "alle roten Linien überschritten" zu haben. Die israelische Armee müsse ihre Angriffe auf den Süden des Libanon und die Vororte stoppen, forderte Armeekommandeur Ali Abdollahi in einer im Fernsehen veröffentlichten Erklärung.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, der nächtliche Raketenangriff auf Israel sei eine "Warnung", nachdem Israel zuvor Beirut angegriffen habe. Der Iran hatte zuvor bereits damit gedroht, US- und israelische Ziele in der Region anzugreifen.
Die israelische Armee erklärte ungeachtet dessen, sie werde ihre Militäreinsätze im Libanon fortführen und die Einsätze gegen die Hisbollah verstärken. "Wir haben in Beirut als Reaktion auf die unerbittlichen Angriffe der Hisbollah auf die Gemeinden im Norden Israels zugeschlagen", sagte Militärsprecher Effie Defrin in einer TV-Ansprache. "Die IDF wird ihre Operationen im gesamten Libanon fortsetzen und ihre Maßnahmen gegen die Terrororganisation Hisbollah intensivieren", sagte er weiter. Defrin betonte, der Iran habe einen "großen Fehler" gemacht, indem er erneut "den Weg des Terrors" gewählt habe.
US-Präsident Donald Trump erklärte einem Medienvertreter zufolge nach dem Raketenangriffen, er werde Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu anrufen und ihn davon abhalten, auf den Beschuss zu reagieren. "Ich werde Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll", sagte Trump unter Verwendung des Spitznamens von Netanjahu laut dem "Axios"-Journalisten Barak Ravid, der eigenen Angaben zufolge mit Trump telefonierte. "Israel hat seinen Angriff durchgeführt, und der Iran hat seinen Angriff durchgeführt. Wir brauchen keinen weiteren Angriff", sagte der US-Präsident demnach.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi besprach die jüngsten Entwicklungen in der Region nach Angaben seines Ministeriums mit seinen Amtskollegen aus Großbritannien, Frankreich und der Türkei sowie mit dem Staatsoberhaupt Katars und pakistanischen Vermittlern. Thema der einzelnen Telefonate sei die Reaktion des Iran auf Israels "wiederholte Verstöße gegen die Waffenruhe im Libanon" gewesen, teilte das Ministerium laut Berichten der Nachrichtenagentur Irna mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Die zivile Luftfahrtbehörde des Iran sperrte am Sonntagabend bis auf Weiteres den Luftraum im Westen des Landes, wie die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete. Auch der Irak und Syrien gaben die vorübergehende Sperrung ihres Luftraums bekannt.
Der durch einen US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar ausgelöste Krieg dauert inzwischen 100 Tage an.
P.A.Mendoza--AT