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Massive Drohnenangriffe auf Russland - Putin empfängt Altkanzler Schröder im Kreml
Während die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraines-Krieges auf der Stelle treten, dauern die militärischen Auseinandersetzungen an. In der Nacht zum Samstag habe die russische Luftabwehr allein in der Region um St. Petersburg, wo ein internationales Wirtschaftsforum stattfand, mehr als 140 ukrainische Drohnen abgefangen, teilten die russischen Behörden mit. Russlands Staatschef Wladimir Putin, der ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ablehnt, empfing derweil Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) im Kreml. Bei einem Gipfeltreffen am Sonntag in London soll es um die weitere Unterstützung der Verbündeten für die Ukraine gehen.
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, insgesamt habe die Luftabwehr während der nächtlichen Angriffe auf mehrere Regionen 376 ukrainische Drohnen abgefangen. In der Region Twer wurde nach Behördenangaben ein Mann durch Trümmer einer Drohne getötet. In der südrussischen Stadt Ust-Labinsk löste ein Drohnenangriff den örtlichen Behörden zufolge einen Brand in einem Öldepot aus. Der Bürgermeister von Moskau, Sergej Sobjanin, erklärte, mehrere Drohnen, die in Richtung der Hauptstadt unterwegs waren, seien abgeschossen worden.
Auch Putins Heimatstadt St. Petersburg wurde erneut zum Ziel ukrainischer Angriffen. Mehr als 140 Drohnen seien in der Region, die neben St. Petersburg auch wichtige Häfen beherbergt, abgefangen worden, erklärte Gouverneur Alexander Drosdenko. Die Angriffe erfolgten am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Die Ukraine hatte am Mittwoch, kurz vor Beginn der Konferenz, Energie- und Militäranlagen in der Stadt angegriffen.
Das St. Petersburg International Economic Forum (Spief) mit tausenden Teilnehmern wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung veranstaltet. Putin hatte am Freitag bei seiner Rede auf der Konferenz einem von Selenskyj vorgeschlagenen direkten Treffen eine Absage erteilt. Er sehe "keinen Sinn" in einem solchen Treffen, solange kein Friedensabkommen vorliege, sagte der Kreml-Chef. "Lassen Sie die Experten arbeiten und Lösungen erarbeiten, und dann können wir uns treffen."
Selenskyj warf Putin daraufhin einen mangelnden Friedenswillen vor. "Leider entscheidet sich die russische Seite erneut für den Krieg - jeder hat die heutige Antwort gehört", erklärte Selenskyj am Freitag. "Eine schwache Antwort. Er will den Krieg einfach nicht beenden", fügte Selenskyj hinzu.
Putin traf sich stattdessen mit Ex-Bundeskanzler Schröder in Moskau. Es sei "ein gutes Gespräch" gewesen, sagte am Freitagabend Präsidentenberater Juri Uschakow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Das Treffen habe im Kreml stattgefunden. Zum Inhalt könne er nichts sagen, weil es sich um ein "Gespräch unter vier Augen" gehandelt habe, fügte Uschakow hinzu.
Auf die Frage, ob auch Aussichten auf Verhandlungen zwischen Russland und der EU erörtert worden seien, antwortete er: "Das weiß ich nicht - es war ein Gespräch unter vier Augen." Dieses sei "freundschaftlich" verlaufen.
Putin hatte für den Fall von Verhandlungen im vergangenen Monat Schröder als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt. Der frühere SPD-Chef gilt als persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig. In Brüssel und Berlin war der Vorschlag skeptisch aufgenommen worden. Merz betonte Mitte Mai, die Europäer "entscheiden selbst, wer für uns spricht". Außerdem zweifelte er daran, dass es auf russischer Seite tatsächlich Verhandlungsbereitschaft gebe.
Der Kanzler reist am Sonntag nach London zu einem Treffen mit Selenskyj, an dem auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Regierungschef Keir Starmer teilnehmen. Dabei soll es nach Angaben aus Paris um die weitere Unterstützung der Ukraine und den verstärkten Druck auf Russland gehen. Zudem solle es eine Bestandsaufnahme der Arbeiten der sogenannten Koalition der Willigen geben. Zu dieser Gruppe zählen etwa 35 überwiegend europäische Länder, darunter Deutschland, aber auch Australien, Neuseeland und Japan.
Moskau und Kiew hatten in den vergangenen Monaten die gegenseitigen Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken.
Auch die Ukraine meldete am Samstag neue russische Angriffe. Der Großteil der 272 Drohnen sei in der Nacht abgefangen worden, teilte die Luftwaffe mit. In der Region Saporischschja wurden nach Behördenangaben zwei Menschen getötet. Bei russischen Angriffen in der Region Dnipropetrowsk wurde ein Mensch getötet worden, wie die Behörden mitteilten. Drei weitere Menschen wurden verletzt.
W.Moreno--AT