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Oster-Feuerpause: Ukraine und Russland werfen einander zahlreiche Verstöße vor
Auch in diesem Jahr hat die zum orthodoxen Osterfest vereinbarte Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine nicht gehalten: Beide Seiten warfen sich am Sonntag hunderte Verstöße vor. Die ukrainische Armee meldete fast 2300 russische Verstöße seit dem Inkrafttreten der Feuerpause. Moskau warf Kiew wiederum fast 2000 Verstöße dagegen vor. Einer Verlängerung der 32-stündigen Feuerpause erteilte der Kreml eine klare Absage.
Bis Sonntagmorgen "um 07.00 Uhr wurden 2299 russische Verstöße gegen die Feuerpause registriert", teilte der ukrainische Generalstab im Onlinedienst Facebook mit. Es habe unter anderem 28 direkte russische Angriffe sowie 479 Bombenangriffe gegeben. Zudem seien fast 1792 Angriffe mit verschiedenen Drohnen gezählt worden. Angriffe mit Raketen, Lenkbomben und Drohnen iranischer Bauart vom Typ Schahed gab es demnach keine.
Das russische Verteidigungsministerium meldete seinerseits zahlreiche ukrainische Verstöße gegen die Waffenruhe seit ihrem Inkrafttreten. Zwischen 16.00 Uhr Moskauer Zeit am 11. April und 08.00 Uhr am 12. April seien "insgesamt 1971 Verstöße gegen die Waffenruhe durch Einheiten der ukrainischen Streitkräfte verzeichnet" worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Ministerium.
Die Ukraine habe Russland 258-mal mit Artillerie und Panzern beschossen, zudem seien 1329 Angriffe mit Drohnen gezählt worden. Kiew habe zudem in 375 Fällen "verschiedene Arten von Munition" abgeworfen, insbesondere mittels Drohnen.
Moskau warf den ukrainischen Streitkräften zudem "drei nächtliche Angriffe" auf russische Stellungen sowie "vier Vorstoßversuche" entlang der Frontlinie vor. Sowohl die Angriffe als auch die versuchten Vorstöße seien vereitelt worden.
Die russischen Behörden hatten der ukrainischen Armee am Samstag einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle in der russischen Region Kursk vorgeworfen. Bei dem Angriff in der Stadt Lgow seien drei Menschen verletzt worden, darunter ein Baby, erklärte Regionalgouverneur Alexander Chinschtein.
In dem von ihm beobachteten Sektor in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine war es laut dem Offizier Wasil Kobsiak am Sonntag "ziemlich ruhig". Die Waffenruhe sei zwar nicht "vollständig" eingehalten worden, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Feuerpause habe es seinen Soldaten jedoch immerhin ermöglicht, in der eisigen Kälte des Waldes an einer Ostersonntagsmesse im Freien teilzunehmen.
"Unsere Kameraden haben, wie Sie sehen können, die Möglichkeit, ihre Osterkörbe segnen zu lassen und die Wärme und Freude dieses Feiertags zu spüren", sagte er AFP.
Die zwischen beiden Seiten vereinbarte Feuerpause über das orthodoxe Osterfest war am Samstag um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten und sollte nach Angaben des Kreml 32 Stunden lang bis Sonntagabend gelten. Kurz vor Beginn der Feuerpause hatten Russland und die Ukraine erneut Kriegsgefangene ausgetauscht. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, ließen beide Seiten je 175 Soldaten frei.
Russland werde die Feuerpause nicht verlängern, teilte der Kreml am Sonntag mit. Ein "dauerhafter Frieden" könne entstehen, "wenn wir unsere Interessen sichern und die Ziele erreichen, die wir uns von Anfang an gesetzt haben", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen. Dies sei "buchstäblich schon heute möglich". Allerdings müsse der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj "diese bekannten Lösungen akzeptieren".
"Solange Selenskyj nicht den Mut aufbringt, diese Verantwortung zu übernehmen, wird die militärische Sonderoperation nach Ablauf der Waffenruhe fortgesetzt", sagte Peskow unter Verwendung von Moskaus Sprachgebrauch für seinen seit Februar 2022 andauernden Angriffskrieg gegen das Nachbarland.
Der ukrainische Staatschef hatte am Samstag in seiner abendlichen Video-Botschaft zu einer Verlängerung der Feuerpause aufgerufen, sah dabei aber in erster Linie Russland am Zug. "Wir haben Russland einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, und wenn Russland sich erneut für den Krieg statt für den Frieden entscheidet, wird dies der Welt und den Vereinigten Staaten einmal mehr zeigen, wer wirklich was will", sagte Selenskyj.
Ch.P.Lewis--AT