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Kahlschlag bei der "Washington Post": Bezos lässt ein Drittel der Journalisten feuern
Kahlschlag bei der "Washington Post": Die traditionsreiche Zeitung aus der US-Hauptstadt hat am Mittwoch zahlreiche Journalisten gefeuert, laut US-Medien muss rund ein Drittel der Belegschaft gehen. Gewerkschafter fürchten um die Glaubwürdigkeit des Blatts, das Amazon-Gründer Jeff Bezos 2013 übernommen hatte. Die Zeitschrift "The Atlantic" warf Bezos "Mord" an der Zeitung vor, die einst den Watergate-Skandal aufgedeckt hatte.
Der Sender NBC berichtete, rund ein Drittel der Belegschaft der "Washington Post" müsse gehen. Nach Angaben der "New York Times" sind 300 Mitarbeiter betroffen.
Der geschäftsführende Chefredakteur der "Washington Post", Matt Murray, sprach in einer Mitteilung an die insgesamt rund 800 Journalisten von einer "schmerzhaften" Umstrukturierung. Sie ermögliche es, die Zukunft der Zeitung zu sichern, die auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblickt. Die genaue Zahl der betroffenen Stellen nannte Murray nicht.
Nach AFP-Informationen müssen die meisten Auslandskorrespondenten der Zeitung gehen. Betroffen ist unter anderem die Ukraine-Berichterstatterin Lizzie Johnson. "Ich wurde gerade von der Washington Post mitten in einem Kriegsgebiet entlassen", schrieb sie im Onlinedienst X. "Ich bin am Boden zerstört."
Auch die Berichterstattung über den Nahen Osten werde drastisch eingeschränkt, sagte ein Korrespondent, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die Lokalnachrichten der "Washington Post", die Sportseiten sowie die Buchbeilage sind ebenfalls massiv betroffen, wie aus der Redaktion verlautete.
Zu den Gefeuerten zählt auch Caroline O'Donovan, die über Bezos' Amazon-Konzern berichtet. "Ich bin raus, zusammen mit vielen der Besten im Business. Schrecklich", schrieb sie auf X. Die hauseigene Gewerkschaft zeigte sich alarmiert: "Eine Redaktion kann nicht ausgehöhlt werden, ohne dass dies Konsequenzen für ihre Glaubwürdigkeit, ihre Reichweite und ihre Zukunft hat."
Die Zeitschrift "The Atlantic" warf Bezos in ihrem Leitartikel "Mord" an dem Blatt vor. Bezos und der von ihm Ende 2023 eingesetzte Verleger Will Lewis verfolgten einen "Plan, alles zu töten, was die Zeitung besonders macht", schrieb die Pulitzerpreis-Trägerin Ashley Parker, die jahrelang selbst für die "Washington Post" gearbeitet hatte.
Die Tageszeitung, die 1972 den Watergate-Skandal unter Präsident Richard Nixon aufdeckte und deren Reporter zahlreiche Pulitzer-Preise erhielten, schreibt laut Medienberichten seit Jahren rote Zahlen. Ein Grund sind Abo-Kündigungen im Zusammenhang mit Bezos' Zuwendung zu US-Präsident Donald Trump.
Der Amazon-Gründer hatte mit zahlreichen anderen Tech-Milliardären vor gut einem Jahr an Trumps erneuter Amtseinführung teilgenommen. Zudem finanzierte er den soeben angelaufenen Dokumentarfilm "Melania" über die First Lady mit der hohen Summe von 75 Millionen Dollar. Dies löste eine Debatte darüber aus, ob sich Amazon die Gunst Trumps erkaufen wollte.
Unter Bezos hatte die "Washington Post" bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, die demokratische Bewerberin Kamala Harris mit einem Leitartikel zu unterstützen. Im Jahr 2024 sorgte zudem eine erste Umstrukturierung der Redaktion für Unruhe. Viele Journalisten wechselten daraufhin zu anderen Medien.
Nach Trumps erstem Amtsantritt 2017 gab sich die "Washington Post" das Motto "Demokratie stirbt in der Dunkelheit" (Democracy Dies in Darkness). Während seines ersten Mandats bis 2021 berichtete das Blatt schonungslos und wies ihm 30.573 Lügen oder missverständliche Äußerungen nach. Dadurch ging es dem Blatt wirtschaftlich relativ gut. Nach der Abwahl des Rechtspopulisten im Herbst 2020 ließ das Interesse der Leser jedoch nach und die Geschäftszahlen brachen ein.
P.Hernandez--AT