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Terrorfinanzierung in Syrien: Zementhersteller Lafarge vor Gericht
Weil der Zementhersteller Lafarge dschihadistische Milizen in Syrien bestochen haben soll, muss sich das Unternehmen nun vor Gericht verantworten: Am Dienstag begann in Paris der Prozess wegen Terrorfinanzierung gegen Ex-Unternehmenschef Bruno Lafont und sieben weitere Angeklagte. Das Unternehmen steht im Verdacht, 2013 und 2014 insgesamt etwa fünf Millionen Euro an die Miliz Islamischer Staat (IS) und andere Gruppen in Syrien gezahlt zu haben, um während des Bürgerkriegs ein Zementwerk im Norden des Landes weiter betreiben zu können.
Ex-Chef Lafont kündigte vor Prozessbeginn an, seine "Ehre verteidigen" zu wollen. Er verwies zudem auf die Rolle französischer Geheimdienste, die mit dem Unternehmen Informationen über die Sicherheitslage ausgetauscht hatten. Die Ermittler hatten zuvor betont, dass dies nicht bedeute, dass der Staat die Zahlungen an terroristische Gruppen billige.
Der Prozess sei "eine einmalige Gelegenheit für die französische Justiz, sich mit der Verantwortung multinationaler Unternehmen zu befassen, die in Konfliktgebieten tätig sind", erklärte die Organisation Sherpa, die zusammen mit ehemaligen syrischen Mitarbeitern zu den Klägern zählt.
Im Fall einer Verurteilung wegen Terrorfinanzierung droht dem Unternehmen eine Strafe in Höhe von gut einer Million Euro. Mehrere Verdächtige sind zudem der Missachtung internationaler Sanktionen angeklagt. Dies könnte eine weitaus höhere Strafe nach sich ziehen.
Lafarge hatte 2012 seine internationalen Mitarbeiter aus Syrien abgezogen. Das Zementwerk, in das Lafarge 680 Millionen Euro investiert hatte, blieb jedoch dank der syrischen Mitarbeiter in Betrieb. 2014 übernahm der IS die Kontrolle über das Werk.
"Anstatt sich um die Sicherheit der syrischen Mitarbeiter zu kümmern, hat Lafarge bewaffnete Gruppen finanziert", sagte einer der Nebenkläger.
Die französischer Justiz ermittelte bereits seit 2017 wegen Finanzierung von Terrorismus und seit 2018 zudem wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In dem nun laufenden Prozess geht es lediglich um den ersten Vorwurf. Das Unternehmen war im Januar 2024 vor dem höchsten Berufungsgericht mit dem Versuch gescheitert, das Verfahren wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit einstellen zu lassen. Ob und wann es zu einem zweiten Prozess kommt, ist noch offen.
Das Unternehmen hatte sich 2022 in den USA schuldig bekannt, Zahlungen an Dschihadisten geleistet zu haben. Es akzeptierte eine Strafe in Höhe von 778 Millionen Dollar (692 Millionen Euro).
Der französische Zementhersteller Lafarge hatte sich im Jahr 2015 mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim zusammengeschlossen. Der neue Konzern hieß zunächst LafargeHolcim, bevor das Lafarge aus dem Namen gestrichen wurde. Lafarge besteht als eigene Marke weiter.
H.Romero--AT