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Israel verstärkt Maßnahmen zur Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen
Nach massiver internationaler Kritik hat Israel seine Maßnahmen zur Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen verstärkt. Die israelische Armee kündigte am Sonntag eine "taktische Pause" ihres Einsatzes in Teilen des Gazastreifens an, um die sichere Durchfahrt von Hilfskonvois zu ermöglichen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte indes in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, dass den angekündigten Maßnahmen nun "rasch substanzielle weitere Schritte folgen" müssten.
Die "taktische Pause" soll nach Angaben der israelischen Armee täglich zwischen 10.00 Uhr und 20.00 Uhr in Gebieten gelten, in denen die Armee zuletzt nicht aktiv gekämpft hatte, darunter die Orte Al-Mawasi und Deir el-Balah sowie Teile der Stadt Gaza. Im gesamten Gazastreifen seien "ausgewiesene sichere Routen" eröffnet worden, um UN-Konvois und Hilfsorganisationen eine sichere Durchfahrt zu ermöglichen, erklärte die israelische Armee am Sonntagmorgen im Onlinedienst Telegram.
Bereits kurz darauf überquerten erste Lkw mit Hilfsgütern den Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen, wie AFP-Reporter berichteten.
Bereits am Samstagabend hatte die israelische Armee den Abwurf von Hilfslieferungen aus der Luft über dem Palästinensergebiet bekannt gegeben. Die Lieferungen enthielten demnach Mehl, Zucker und Lebensmittelkonserven.
Israel habe seine Entscheidung zum Hilfsgüter-Abwurf mit der UNO und internationalen Organisationen abgestimmt, um "den Umfang der humanitären Hilfen für den Gazastreifen zu erhöhen", erklärte die israelische Armee. Die ausgeweiteten Maßnahmen widerlegten "die falsche Behauptung des absichtlichen Aushungerns im Gazastreifen".
Die UNO kündigte daraufhin an, sie werde nun versuchen, so viele hungernde Menschen wie möglich im Gazastreifen zu erreichen. Das Welternährungsprogramm (WFP) erklärte, dass monatlich mehr als 62.000 Tonnen Lebensmittelhilfe benötigt würden, um die Gesamtbevölkerung des Gazastreifens von zwei Millionen Menschen zu versorgen.
Die UN-Organisation wies überdies darauf hin, dass Israel zusätzlich zu der Ankündigung humanitärer Pausen am Sonntag zugesagt habe, mehr Lastwagen mit schnelleren Abfertigungen in den Gazastreifen einreisen zu lassen und "zu garantieren, dass sich keine Streitkräfte in der Nähe der Konvois aufhalten und nicht geschossen wird".
Auch der Leiter des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) begrüßte die neuen Maßnahmen. Er stehe im Kontakt mit den UN-Helfern vor Ort, die "alles tun werden, um so viele hungernde Menschen wie möglich zu erreichen", erklärte Ocha-Chef Tom Fletcher im Onlinedienst X.
Israels Regierungschef Netanjahu erklärte später, spätestens nach der Einrichtung sicherer Routen könne die UNO für die verzögerte Verteilung von Hilfsgütern nicht mehr die israelische Regierung verantwortlich machen. "Es gibt sichere Routen. Die gab es schon immer, aber heute ist es offiziell", sagte Netanjahu bei einem Besuch auf einer Luftwaffenbasis.
Die israelische Regierung wirft der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vor, die Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen zu behindern, die humanitären Lieferungen zu plündern und Nahrungsmittel zu überhöhten Preisen zu verkaufen. UN-Organisationen wie dem jahrzehntelang im Gazastreifen tätigen Palästinenserhilfswerk UNRWA wirft Israel vor, von der Hamas unterwandert zu sein. Die Hamas wiederum macht die israelischen Streitkräfte für Tote in der Nähe von Verteilzentren verantwortlich.
Die Hamas hatte mit ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg ausgelöst. Bei dem Angriff auf Dörfer, Städte und ein Musikfestival wurden nach israelischen Angaben mehr als 1210 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 49 Verschleppte von den Islamisten festgehalten, mindestens 27 von ihnen sind nach Armeeangaben tot.
Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch in dem Küstenstreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 59.600 Menschen getötet. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.
Eine Waffenruhe im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen und die Befreiung der Geiseln aus ihrer Gewalt waren nach dem Abbruch der jüngsten Verhandlungsrunde weiter in die Ferne gerückt.
Bundeskanzler Merz forderte Netanjahu derweil in einem Telefonat auf, "alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen". Zugleich habe Merz unterstrichen, dass es für die Bundesregierung "außer Zweifel" stehe, "dass der grausame und unmenschliche Terror der Hamas am 7. Oktober 2023 die Kämpfe in Gaza ausgelöst hat", erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
In dem Telefonat habe Merz zudem "seine große Sorge zur katastrophalen humanitären Lage in Gaza zum Ausdruck" gebracht. Die "dringend notwendige humanitäre Hilfe" müsse "die Zivilbevölkerung schnell, sicher und im gebotenen Umfang erreichen".
Derweil beteiligten sich auch Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate an den Hilfsgüter-Abwürfen im Gazastreifen. Die jordanischen Streitkräfte hätten am Sonntag "drei Luftabwürfe mit humanitären Hilfsgütern und Lebensmitteln" über dem Gazastreifen ausgeführt, darunter einen gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, erklärte die jordanische Armee. Dabei seien insgesamt 25 Tonnen Hilfsgüter abgeworfen worden.
Unterdessen wurden im südlichen Gazastreifen zwei israelische Soldaten im Alter von 20 und 22 Jahren durch eine Explosion ihres Fahrzeugs getötet. Auslöser war demnach ein von einem militanten Palästinenser in Chan Junis gezündeter Sprengsatz.
E.Hall--AT