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UNO wirft Israels Armee Tötung hunderter Hilfesuchender im Gazastreifen vor
Nach dem Tod hunderter Zivilisten an Essens-Ausgabestellen im Gazastreifen wächst die Kritik an Israel: Das UN-Menschenrechtsbüro warf dem israelischen Militär am Dienstag vor, seit Ende Mai mindestens 1054 Menschen in der Nähe von Ausgabestellen für humanitäre Hilfe getötet zu haben. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, Angriffe auf hilfesuchende Zivilisten seien "nicht zu rechtfertigen".
Fast 21 Monate nach Beginn des Krieges im Gazastreifen ist die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet katastrophal. Nach einer wochenlangen israelischen Blockade von Hilfslieferungen errichtete die neu gegründete und von den USA unterstützte Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) Ende Mai Verteilzentren im Gazastreifen. Die UNO und große Hilfsorganisationen verweigern die Kooperation mit der Stiftung und werfen ihr vor, sich nach den Plänen der israelischen Armee auszurichten und damit gegen grundlegende humanitäre Prinzipien zu verstoßen.
Seitdem die GHF ihre Arbeit aufgenommen habe, "wurden mehr als 1000 Menschen vom israelischen Militär getötet, während sie versuchten, an Lebensmittel zu gelangen", sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Thameen Al-Kheetan, der Nachrichtenagentur AFP. 766 Menschen wurden demnach in der Nähe von GHF-Verteilzentren getötet, weitere 288 Menschen wurden in der Nähe von Hilfskonvois der UNO oder weiterer Organisationen getötet. Die UN-Zahlen basieren laut Kheetan auf "verlässlichen Quellen vor Ort", darunter Mediziner und humanitäre sowie Menschenrechtsorganisationen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verurteilte die israelischen Angriffe auf Hilfesuchende. In einem Telefongespräch mit dem israelischen Außenminister Gideon Saar habe sie "klargemacht, dass die israelische Armee aufhören muss, Menschen an Verteilzentren zu töten", schrieb Kallas im Onlinedienst X.
Sie habe Israels Außenminister Gideon Saar ermahnt, Israels Zusagen an die EU für einen Zugang der Bevölkerung im Gazastreifen zu Hilfsgütern einzuhalten. Die EU hatte Mitte Juli ein Abkommen mit Israel über die Verteilung humanitärer Hilfe verkündet. "Wenn Israel sich nicht an seine Zusagen hält, bleiben alle Optionen auf dem Tisch", warnte Kallas.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von "unerträglichen Bildern aus dem Gazastreifen": "Zivilisten dürfen kein Ziel sein. Niemals", betonte sie.
Angesichts der von Israel verkündeten Ausweitung seines Militäreinsatzes im Zentrum des Gazastreifens warnte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk vor schweren Völkerrechtsverletzungen. "Wegen der hohen Dichte von Zivilisten in der Region und den Mitteln und Methoden der Kriegsführung, die Israel bisher angewendet hat, ist das Risiko unrechtmäßiger Tötungen und weiterer schwerer Völkerrechtsverletztungen extrem hoch", erklärte er am Dienstag.
Mit den jüngsten von Israel erteilten Evakuierungsaufforderungen bleibe der Bevölkerung im Gazastreifen keine andere Wahl, als in immer kleiner werdende Gebiete zu fliehen, wo bereits Hunderttausende Schutz gesucht hätten, betonte Türk. Er warnte Israel, jede dauerhaft Vertreibung von Bewohnern könne einem Kriegsverbrechen oder gar einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen.
Der Leiter des ehemals größten Krankenhauses im Gazastreifen wies derweil auf die Folgen der Unterernährung in dem Palästinensergebiet hin: In drei Kliniken seien allein in den vergangenen drei Tagen 21 Kinder an Unterernährung und Hunger gestorben, sagte Mohammed Abu Salmija am Dienstag vor Journalisten. Er rechne "jederzeit" mit weiteren Hungertoten.
Die Angaben des Klinikchefs ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Alle Behörden im Gazastreifen werden von der radikalislamischen Hamas kontrolliert.
Der Krieg im Gazastreifen war durch den Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben mehr als 1210 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 49 Geiseln von den Islamisten festgehalten, mindestens 27 von ihnen sind nach israelischen Angaben tot.
Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch in dem Küstenstreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 59.000 Menschen getötet. Die Zahlen können nicht unabhängig überprüft werden, die UNO stuft sie aber als glaubwürdig ein.
N.Walker--AT