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Israels Armee weitet Einsatz gegen Hamas-Ziele im Zentrum des Gazastreifens aus
Die israelische Armee hat eine Ausweitung ihres Einsatzes im Zentrum des Gazastreifens angekündigt. Die Armee dehne ihre "Aktivitäten" gegen die islamistische Hamas um die Stadt Deir al-Balah auf eine Gegend aus, "wo sie bisher nicht im Einsatz war", erklärte Armeesprecher Avichay Adraee am Sonntag im Onlinedienst X. Derweil machte die Hamas die israelische Armee erneut für Schüsse in nahe eines Hilfszentrums verantwortlich, dabei seien 57 Menschen getötet worden.
In der auf Arabisch veröffentlichten Mitteilung der israelischen Armee rief Sprecher Adraee in dem betroffenen Gebiet lebende Palästinenser auf, sich an der Mittelmeerküste in der weiter südlich gelegenen Region Al-Mawasi in Sicherheit zu bringen. Al-Mawasi war von Israel als "humanitäre Zone" ausgewiesen worden.
Seit dem Beginn des durch den Hamas-Angriff auf Israel ausgelösten Krieges im Gazastreifen im Oktober 2023 sind die meisten der zwei Millionen Bewohner des Küstengebiets mindestens einmal vertrieben worden. Israel warnt die Bevölkerung immer wieder vor bevorstehenden Angriffen auf Hamas-Ziele und ruft die Zivilisten dazu auf, Teile des Gebiets vorsorglich zu verlassen.
Die Angehörigen der weiterhin von der Hamas im Gazastreifen festgehaltenen israelischen Geiseln reagierten indes besorgt auf die Mitteilung der Armee. Sie forderten die israelische Regierung in einer Erklärung dazu auf, "den israelischen Bürgern und Familien dringend zu erklären, wie der Kampfplan aussieht und wie genau dieser die Entführten schützt, die immer noch im Gazastreifen sind".
Angehörige der Geiseln und ihre Unterstützer hatten sich am Samstag erneut zu Tausenden in Tel Aviv versammelt, um für ein Ende des Krieges und die Freilassung der Geiseln durch die Hamas zu demonstrieren. Israel und die radikalislamische Palästinenserorganisation führen derzeit indirekte Verhandlungen über ein neues Abkommen über eine Waffenruhe und die Geisel-Freilassung.
Die israelische Armee erklärte überdies, sie habe in der Nähe von Dschabalija im Norden des Gazastreifens "dutzende Terroristen" getötet sowie "terroristische Infrastruktur" zerstört, darunter zum Teil 20 Meter unter der Erde liegende Tunnel. Der von der Hamas geführte Zivilschutz erklärte seinerseits, dass bei weiteren israelischen Angriffen in der Nacht zum Sonntag sieben Menschen in der Stadt Gaza und im Süden des Gazastreifens getötet worden seien.
Hamas-Zivilschutzsprecher Mahmud Bassal sagte zudem der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag, dass nahe eines Verteilzentrums für Hilfsgüter im Gebiet Sikim im Nordwesten der Stadt Gaza 57 Menschen durch israelische Schüsse getötet worden seien. Die israelische Armee erklärte auf AFP-Anfrage, sie prüfe die Angaben.
Bereits am Samstag hatte Bassal mitgeteilt, dass in der Nähe zweier Hilfszentren im Süden des Gazastreifens 39 Menschen durch israelischen Beschuss getötet worden seien. Die Schüsse seien am frühen Samstagmorgen nahe zweier Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) bei Chan Junis und Rafah abgefeuert worden, sagte Bassal, dem Israel vorwirft, ein "aktiver Terrorist" zu sein und Falschinformationen zu verbreiten.
Die von den USA und Israel unterstützte GHF-Stiftung, die mittlerweile die bisher zuständigen UN-Organisationen als Hauptverteiler von Hilfsgütern im Gazastreifen abgelöst hat, beschuldigt dagegen die Hamas, Unruhe zu stiften und auf Zivilisten zu schießen.
Bereits wenige Tage zuvor hatte die GHF erklärt, es gebe "glaubwürdige Gründe" für die Annahme, dass Bewaffnete in Verbindung mit der Hamas die Unruhen absichtlich schürten. Nach den Vorwürfen des Hamas-Zivilschutzes am Samstag erklärte die Organisation dann im Onlinedienst X: "Wir haben Hilfesuchende wiederholt davor gewarnt, sich über Nacht und in den frühen Morgenstunden zu unseren Standorten zu begeben."
Auch die israelische Armee macht die Hamas für die Schüsse auf Zivilisten in der Umgebung der GHF-Verteilzentren verantwortlich. Die Schüsse am Samstag wurden einer Erklärung zufolge in einer Entfernung von etwa einem Kilometer von der Verteilstelle nahe Rafah abgegeben, "und zwar nachts, wenn diese nicht aktiv ist". Als sich den Soldaten nähernde Verdächtige der Aufforderung zur Umkehr nicht nachgekommen seien, hätten die Soldaten Warnschüsse abgegeben.
Der Krieg im Gazastreifen war durch den brutalen Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben 1219 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 49 Geiseln von den Islamisten festgehalten, mindestens 27 von ihnen sind nach Armeeangaben jedoch tot.
Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 58.700 Menschen getötet. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.
Papst Leo XIV drang am Sonntag auf ein "sofortiges Ende der Barbarei" des Gaza-Krieges". In der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom forderte er "eine friedliche Lösung des Konflikts".
A.Moore--AT