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Groß angelegter Militäreinsatz gegen Assad-Anhänger im Westen Syriens
Nach den bisher schwersten Kämpfen zwischen syrischen Truppen und Anhängern des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad in Syrien hat die syrische Übergangsregierung nach eigenen Angaben einen Großeinsatz gegen Assad-Unterstützer im Westen des Landes gestartet, darunter in Assads Heimatstadt Kardaha. Im Rahmen des "großangelegten" Einsatzes seien "zusätzliche Kräfte in die Küstenregion um Latakia und Tartus geschickt" worden, erklärte das Verteidigungsministerium am Freitag. Nach Angaben von Aktivisten wurden seit Donnerstag 95 Kämpfer getötet, 134 alawitische Zivilisten seien von Regierungstruppen "hingerichtet" worden.
In der Region im Westen des Landes hatten am Donnerstag Kämpfe zwischen Assad-treuen Milizen und Truppen der neuen syrischen Machthaber begonnen. Am Freitag verkündete die Übergangsregierung daraufhin den Beginn eines "großangelegten" Einsatzes in den betroffenen Gebieten. Dieser ziele auf "die Überreste von Assads Milizen und ihre Unterstützer", zitierte die Nachrichtenagentur Sana aus Sicherheitskreisen.
Die Region im Westen Syriens ist mehrheitlich von Mitgliedern der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnt, der auch der im Dezember durch Islamisten gestürzte Assad angehört. Während der jahrzehntelangen Herrschaft des Assad-Clans befanden sich dort die Hochburgen von dessen Anhängern.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Freitag, 134 alawitische Zivilisten seien bei dem Einsatz im Westen des Landes von Sicherheitskräften "hingerichtet" worden. Alawitische Zivilisten, darunter Frauen, seien "in den Gebieten von Banjas, Latakia und Dschableh von Sicherheitskräften exekutiert" worden, teilte der Direktor der Beobachtungsstelle AFP mit. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien.
Die Beobachtungsstelle und Aktivisten veröffentlichten Videos, die dutzende Leichen in ziviler Kleidung im Hof eines Hauses zeigen. In einem anderen Video werden drei Menschen per Kopfschuss hingerichtet. AFP konnte die Videos nicht unabhängig überprüfen.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden zudem 45 Kämpfer aus dem Lager Assads sowie 50 Mitglieder der Sicherheitskräfte bei den Kämpfen getötet. Auf beiden Seiten gebe es zudem dutzende Verletzte.
Der UN-Syriengesandte Geir Pedersen äußerte sich "zutiefst besorgt" angesichts der "heftigen Zusammenstöße und Morde" in den Küstengebieten des Landes und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Pedersen forderte zudem die "uneingeschränkte Achtung des Schutzes der Zivilbevölkerung gemäß dem Völkerrecht".
Am Freitagabend meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana mit Verweis auf einen Vertreter des Verteidigungsministeriums den Beginn eines Einsatzes in der Heimatstadt des Assad-Clans. Die Truppen führten in Kardaha "nun in Abstimmung mit den Sicherheitskräften gezielte und präzise Einsätze gegen die dem ehemaligen Regime treu ergebenen Männer aus", sagte der Ministeriumsvertreter laut Sana. Assads Anhänger hätten "unsere Streitkräfte und unsere Landsleute verraten". In Tartus und Latakia wurde eine Ausgangssperre verhängt, die vorerst bis Samstag gilt.
Das iranische Außenministerium positionierte sich entschieden gegen das "Töten und Verletzen unschuldiger syrischer Menschen". Die Vorfälle seien "ein Wegbereiter für die Ausbreitung von Instabilität in der Region", erklärte ein Außenministeriumssprecher. Teheran erklärte zudem, es habe "keine Eile", Beziehungen zu der neuen syrischen Regierung aufzubauen.
Russland, der ehemals wichtigste Verbündete Assads in dem 13 Jahre dauernden Bürgerkrieg in dem Land, forderte die syrischen Behörden auf alles zu tun, "um das Blutvergießen so schnell wie möglich zu beenden". Assad war nach seinem Sturz im Dezember nach Russland geflohen.
Der Syrien-Experte Aron Lund beschrieb die aktuelle Lage in dem Land als "Pulverfass": "Beide Seiten fühlen sich angegriffen, beide Seiten haben schreckliche Misshandlungen durch die andere Seite erfahren und beide Seiten sind bewaffnet", sagte er AFP.
Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz hatten Anfang Dezember Damaskus erobert und die jahrzehntelange Herrschaft von Machthaber Assad in Syrien beendet. Seit ihrer Machtübernahme hat die neue syrische Führung wiederholt versichert, die Minderheiten im Land zu schützen. Die Alawiten fürchten jedoch Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre Gemeinschaft - sowohl als religiöse Minderheit als auch wegen ihrer Treue zur Assad-Familie.
E.Flores--AT