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Israelisches Nationalarchiv veröffentlicht Akten zum Eichmann-Prozess
Zum 80. Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz hat das israelische Nationalarchiv hunderttausende Dokumente des Prozesses gegen Adolf Eichmann veröffentlicht, einen der Haupt-Organisatoren des Holocaust. Die über 380.000 Seiten Prozessakten seien online einsehbar, erklärte das Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu am Montag. Am selben Tag veröffentlichte die Wiener Holocaust Library, eines der größten Archive zur Schoa, mehr als 150.000 Dokumente auf seiner Website.
Die Akten zum Eichmann-Prozess bezeichnete das Büro des israelischen Regierungschefs als eine der "interessantesten Sammlungen" des Nationalarchivs. Darunter seien "grausige Zeugenaussagen", Briefverkehr, Listen und Fotos.
Der einstige SS-Obersturmbannführer Eichmann war ab 1939 im Reichssicherheitshauptamt mit verantwortlich für die Deportation der europäischen Juden in die NS-Vernichtungslager. Nach dem Krieg gelang dem Protokollführer der Wannsee-Konferenz die Flucht aus einem US-Gefangenenlager.
Der israelische Geheimdienst Mossad spürte ihn schließlich in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires auf und brachte ihn nach Israel. Dort wurde er nach einem neunmonatigen Prozess Ende Mai 1962 hingerichtet.
Aufgrund moderner Texterkennungs-Technologie können die nun vom Nationalarchiv online gestellten Dokumente nach Stichworten, Namen, Ereignissen und Daten durchsucht werden. Das Online-Archiv werde es den Familien von Holocaust-Überlebenden ermöglichen, "die persönlichen Geschichten ihrer Angehörigen zu finden, manchmal sogar in deren eigener Handschrift", erklärte das Büro des Regierungschefs.
Auch die Wiener Holocaust Library in London nutzte den Holocaust-Gedenktag, um ein neues Onlinearchiv vorzustellen. Über 150.000 Dokumente, darunter Fotos aus Auschwitz, seien ab sofort frei im Netz zugänglich, erklärte Bibliotheksdirektor Toby Simpson. Das Onlinearchiv soll laut Simpson sicherstellen, "dass die historischen Aufzeichnungen für alle zugänglich sind, unabhängig von ihrem Standort, ihrem Vorwissen oder ihren Mitteln". Die Notwendigkeit "die Wahrheit zu verteidigen" habe durch das Wiederaufleben von Antisemitismus und anderen Formen des Hasses eine neue Dringlichkeit erfahren, erklärte Simpson.
Unter den veröffentlichten Dokumenten der Wiener Holocaust Library befinden sich auch Akten der Nürnberger Prozesse gegen die Haupt-Kriegsverbrecher sowie etwa 500 antifaschistische Flugblätter und Bücher, die in Deutschland während der NS-Zeit verbreitet worden waren. Alfred Wiener hatte die Bibliothek in den frühen 30er Jahren gegründet, um die Verfolgung der Juden in Deutschland zu dokumentieren. Kurz zuvor war Wiener aus Deutschland geflohen.
W.Stewart--AT