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Zehntausende demonstrieren für Erhalt des Abtreibungsrechts in den USA
In den USA sind zehntausende Menschen für den Erhalt des Rechts auf Abtreibung auf die Straße gegangen. Im ganzen Land wurden etwa 450 Protestzüge organisiert, darunter große Märsche in der Hauptstadt Washington sowie in den Metropolen New York, Chicago, Los Angeles und im texanischen Austin. Die Teilnehmer riefen Slogans wie "Mein Körper, meine Entscheidung". Viele trugen als Statement für Frauen- und Abtreibungsrechte die Farben pink oder grün.
"Ich denke einfach, dass keiner das Recht hat, die Entscheidung über den Körper eines anderen zu treffen", sagte etwa die 20-jährige Hanna Williamson, die aus Suffolk im Bundesstaat Virginia zu der drei Autostunden entfernten Demonstration in Washington angereist war. "Ich kämpfe für das Recht aller in dieser Frage." Die Demonstranten in der US-Hauptstadt zogen zum Supreme Court, der das landesweite Recht auf eine Abtreibung zu kippen droht.
Im New Yorker Stadtteil Brooklyn versammelten sich etwa 3000 Menschen hinter einem pinkfarbenen Banner mit der Aufschrift "Unsere Körper. Unsere Zukunft. Unsere Abtreibungen". Zu den dortigen Demonstranten zählte der Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, der New Yorker Bürgermeister Eric Adams und andere einflussreiche Demokraten.
"Wir werden weiter kämpfen - bis wir gewinnen", sagte Schumer der Nachrichtenagentur AFP. "Amerika ist auf unserer Seite."
"Es handelt sich um eine Gruppe von Menschen in diesem Land, die daran arbeiten, 60 Jahre Bürgerrechte und bürgerliche Freiheiten der Vereinigten Staaten von Amerika zu demontieren", sagte Linda Sarsour, eine prominente politische Aktivistin in New York. Es sei das Recht eines jeden, "seine religiöse Überzeugung oder seine Meinung zu einem Thema wie Abtreibung zu vertreten", betonte sie. Allerdings sollte Menschen trotzdem der Zugang "zu sicheren, erschwinglichen, reproduktiven Rechten für Frauen" ermöglicht werden.
Anlass der Proteste ist ein Anfang vergangener Woche durchgesickerter Urteilsentwurf des Obersten Gerichtshofs des Landes. Demnach könnte der Supreme Court das seit fast 50 Jahren geltende Grundsatzurteil "Roe v. Wade" kippen, das ein Grundrecht auf Abtreibungen verankert hatte. Weil es kein Bundesgesetz zu diesem Thema gibt, hätten Bundesstaaten in der Folge freie Hand, Abtreibungen zu verbieten oder den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen drastisch einzuschränken.
Rund die Hälfte der 50 Bundesstaaten dürfte diesen Weg gehen. Dort lebende Frauen müssten für eine Abtreibung dann in andere Bundesstaaten reisen, sofern ihnen dies möglich ist.
Abtreibungsgegner arbeiten schon seit Jahrzehnten auf eine Aufhebung von "Roe v. Wade" hin. Die frühere US-Anwältin Linda Coffee, die vor knapp 50 Jahren in einem bahnbrechenden Verfahren das Grundsatzurteil zum Abtreibungsrecht erstritten hatte, warnte im Gespräch mit AFP vor den Folgen einer Aufhebung des "Roe v. Wade"-Urteils durch den Obersten Gerichtshof.
Schwangere Frauen, die eine Abtreibung vornehmen wollten, könnten künftig große Schwierigkeiten haben, sagte Coffee. "Es wird viel mehr kosten für Menschen, die keine gute Gesundheitsversorgung haben oder arm sind." Nur eine Minderheit wolle das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche abschaffen, diese sei aber "sehr lautstark".
Laut einer neuen Umfrage von "Politico" und "Morning Consult" ist eine Mehrheit von 53 Prozent der US-Wähler dagegen, "Roe v. Wade" zu kippen. Auch viele Unternehmen haben den Verteidigern des Abtreibungsrechts ihre Unterstützung ausgesprochen.
A.Taylor--AT