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Bürgermeister meldet "heftige Kämpfe" auf Gelände des Asow-Stahlwerks in Mariupol
Nach der Evakuierung von rund 150 Menschen aus dem Asow-Stahlwerk im südukrainischen Mariupol haben sich in der Anlage am Mittwoch weiterhin ukrainische Kämpfer und wohl auch eine größere Zahl von Zivilisten verschanzt gehalten. Bürgermeister Wadym Boitschenko berichtete von "heftigen Kämpfen" auf dem Gelände. Der Kreml hatte kurz zuvor einen Großangriff dementiert. Unterdessen gingen die russischen Angriffe in anderen ukrainischen Gebieten weiter. In der Region Donezk wurden nach Behördenangaben 21 Menschen getötet.
Der Kontakt zu den ukrainischen Soldaten im Asow-Werk sei abgerissen, sagte Boitschenko im ukrainischen Fernsehen. Die Behörden wüssten deshalb nicht, ob die dortigen ukrainischen Soldaten "sicher sind oder nicht". Das in dem Werk verschanzte Asow-Regiment hatte der russischen Armee am Dienstag vorgeworfen, einen Großangriff auf die Anlage gestartet zu haben.
Russland habe das Stahlwerk mit Bodentruppen und Panzern attackiert, teilte das Asow-Regiment im Onlinedienst Telegram mit. Bei den Bombardements, die dem Angriff vorausgegangen seien, seien zwei Frauen getötet und etwa zehn weitere Zivilisten verletzt worden. Das Stahlwerk stellt die letzte Bastion der ukrainischen Kämpfer in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol dar.
Laut Bürgermeister Boitschenko befanden sich noch etwa 200 Zivilisten auf dem Gelände des Asow-Stahlwerks. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom Dienstagabend konnten bei der vorherigen Evakuierungsaktion der UNO und des Roten Kreuzes 156 Zivilisten aus Mariupol ins ukrainisch kontrollierte Saporischschja gebracht werden. Für Mittwoch sei eine weitere Evakuierungsaktion geplant, "wenn die Sicherheitslage es zulässt", sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk.
Moskau dementierte einen Großangriff auf das Asow-Stahlwerk. "Es gibt keine Erstürmung", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Präsident Wladimir Putin habe bereits vor knapp drei Wochen angeordnet, alle Angriffe auf das Stahlwerk einzustellen.
Putin hatte am 21. April den Befehl erteilt, das Werk weiter zu belagern - so engmaschig, dass "keine Fliege mehr heraus kann". Eine Erstürmung des Komplexes mit zahlreichen unterirdischen Tunneln sei nicht sinnvoll, sagte Putin damals.
Das russische Verteidigungsministerium warf den ukrainischen Soldaten am Dienstag vor, die wegen der Evakuierungen ausgerufene Feuerpause ausgenutzt zu haben, um neue Stellungen auf dem ausgedehnten Fabrikgelände zu beziehen. Diese würden nun mit Artillerie und aus der Luft angegriffen, erklärte das russische Militär.
In anderen Gebieten der Ostukraine führte Russland seine Angriffe unterdessen mit unverminderter Härte fort.
Bei einem Angriff auf ein Koks-Werk in Awdijiwka in der ostukrainischen Region Donezk wurden nach Angaben von Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko mindestens zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Fünf weitere Menschen wurden nach seinen Angaben durch Beschuss in der Stadt Lyman getötet, vier in Wugledar, je ein Todesopfer gab es demnach in den Dörfern Welyka Nowosilka und Schandrygolowe.
Raketenangriffe wurden außerdem aus Kirowograd und Winnyzja im Zentrum des Landes sowie Odessa im Südwesten gemeldet. Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar wurde auch die Region Transkarpatien nahe der ungarischen Grenze mit einer Rakete angegriffen, wie Regionalgouverneur Viktor Mikita auf Telegram berichtete.
In der Region Kiew wurden die Leichen von 20 weiteren Zivilisten entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Sie seien im Vorort Borodjanka und den umliegenden Dörfern sowie im Bezirk Wyschhorod gefunden worden. Leichenfunde im nahegelegenen Butscha hatten vor gut einem Monat weltweit für Entsetzen gesorgt. Die Ukraine und westliche Staaten warfen den russischen Streitkräften "Kriegsverbrechen" in dem kleinen Ort vor.
Insgesamt seien seit dem Abzug der russischen Soldaten aus der Region die Leichen von 1235 Zivilisten gefunden worden, sagte der Chef der Kiewer Regionalpolizei, Andrij Nebytow. Rund 280 von ihnen seien noch nicht identifiziert worden.
W.Stewart--AT