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Schon mehr als hundert Todesopfer bei Studentenprotesten in Bangladesch
Bei den Studentenprotesten in Bangladesch sind in dieser Woche landesweit bereits mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen. Dies ergaben Zählungen Nachrichtenagentur AFP auf der Grundlage von Angaben aus Krankenhäusern. Die seit Wochen anhaltenden Proteste waren jüngst in schwere Unruhen ausgeartet. Am Freitagabend kündigte die Regierung eine landesweite Ausgangssperre und den Einsatz des Militärs an.
In Narsingdi im Zentrum des Landes stürmten Studenten nach Polizeiangaben am Freitag ein Gefängnis und befreiten die Insassen. Es seien vermutlich mehrere hundert Häftlinge befreit worden, sagte ein Polizeibeamter AFP. Anschließend hätten die Demonstranten das Gefängnis in Brand gesetzt.
In der Hauptstadt Dhaka erließ die Polizei am Freitag ein ganztägiges Verbot aller politischen Kundgebungen, um die Unruhen einzudämmen. "Wir haben heute alle Kundgebungen, Umzüge und öffentliche Versammlungen in Dhaka verboten", sagte Polizeichef Habibur Rahman. Dies sei notwendig, um die "öffentliche Sicherheit" zu gewährleisten. Auch das Internet wurde gesperrt.
Trotzdem kam es in der Stadt mit rund 20 Millionen Einwohnern zu weiteren Zusammenstößen zwischen Studenten und Sicherheitskräften. "Unser Protest wird weitergehen", sagte Sarwar Tushar, der bei der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration durch die Polizei leichte Verletzungen erlitt. "Wir fordern den sofortigen Rücktritt von Sheikh Hasina, die Regierung ist für die Morde verantwortlich", erklärte er mit Blick auf die Ministerpräsidentin, die das Land seit 15 Jahren autokratisch regiert.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk nannte die gewaltsame Niederschlagung der Proteste "schockierend und inakzeptabel". "Die Angriffe müssen unparteiisch, schnell und gründlich untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Türk. Die Sicherheitskräfte rief er auf, dafür zu sorgen, dass jegliche Gewaltanwendung im Einklang mit dem Völkerrecht steht.
Die Studenten in Bangladesch demonstrieren seit Wochen fast täglich gegen ein Quotensystem der Regierung, das vorsieht, dass mehr als die Hälfte der gut bezahlten Stellen im öffentlichen Dienst bestimmten Bevölkerungsgruppen vorbehalten sind. Nach Angaben der Kritiker begünstigen die Quoten die Unterstützer der Regierung der 76-jährigen Hasina, die im Januar bei einer praktisch ohne Opposition erfolgten Wahl für eine vierte Amtszeit bestätigt worden war. Die Studenten fordern bei der Vergabe der attraktiven Jobs ein leistungsorientiertes System anstelle der Quoten.
A.Williams--AT