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Rund 20 Zivilisten aus Asow-Stahlwerk in Mariupol evakuiert
20 Zivilisten haben am Samstag nach ukrainischen Angaben das heftig umkämpfte Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol verlassen, um in Sicherheit gebracht zu werden. Dem Asow-Regiment zufolge sollten die Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, nach Saporischschja gebracht werden. Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass wurden 25 Zivilisten, unter ihnen sechs Kinder, aus dem Stahlwerk evakuiert. Die Ukraine meldete unterdessen den Fund dreier weiterer Leichen mit gefesselten Händen und Folterspuren in der Nähe des Kiewer Vororts Butscha.
Die Zivilisten aus dem Asow-Stahlwerk seien zu einem vereinbarten Ort gebracht worden, "und wir hoffen, dass sie nach Saporischschja in von der Ukraine kontrolliertes Gebiet gebracht werden," erklärte der stellvertretende Kommandeur des Asow-Regiments, Swjatoslaw Palamar, in einem auf Telegram veröffentlichten Video.
Die ganze Nacht über sei das Werksgelände von der russischen Artillerie beschossen worden, sagte der Vize-Kommandeur des Regiments, das das Stahlwerk verteidigt. Eine Waffenruhe, die für 06.00 Uhr morgens vereinbart gewesen sei, habe erst fünf Stunden später begonnen. Das Asow-Regiment durchsuche das Industriegelände nach weiteren Zivilisten und hoffe, dass sie alle in Sicherheit gebracht werden könnten, sagte Palamar. Eine Evakuierung von Verletzten sei vorerst jedoch nicht geplant.
Das Stahlwerksgelände ist die letzte Bastion des ukrainischen Widerstands im durch russische Angriffe weitgehend zerstörten Mariupol. In dem Komplex mit weitläufigen unterirdischen Tunnelanlagen sollen noch hunderte ukrainische Soldaten und Zivilisten, darunter dutzende Kinder, unter katastrophalen Bedingungen ausharren. Bisher war noch keine Evakuierungsaktion aus dem Asow-Stahlwerk gelungen.
Die russische Armee setzte derweil insbesondere im Osten und Süden der Ukraine ihre Angriffe mit unverminderter Härte vor. Am Samstag traf eine russische Rakete den Flughafen von Odessa. Die Landebahn sei dabei zerstört worden, Opfer gebe es nicht, erklärte der Gouverneur Maxym Martschenko.
Der Polizei in Kiew meldete am Samstag den Fund dreier weiterer Leichen mit gefesselten Händen und Folterspuren nahe dem Vorort Butscha. Die in einer Grube im Dorf Myrozke gefundenen Männern seien durch Kopfschuss getötet worden, sagte der Polizeichef der ukrainischen Hauptstadt, Andrij Nebytow.
Die Augen der drei nahe Butscha gefundenen Toten waren laut Nebytow verbunden, auch seien mehrere von ihnen geknebelt gewesen. Die Leichen trugen nach Angaben des Polizeichefs die Spuren von langer Folter und Schusswunden an mehreren Körperteilen.
Butscha ist zum Synonym für mutmaßliche Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte in der Ukraine geworden. Der Vorort stand rund vier Wochen lang unter Kontrolle russischer Truppen. Nach ihrem Abzug Ende März wurden nach Polizeiangaben in Butscha und Umgebung etwa 400 Leichen entdeckt. Die Leichenfunde sind Gegenstand internationaler Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen. Moskau bestreitet jegliche Verantwortung für die Tötungen.
In Kiew empfing der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Samstag nach Angaben Ankaras den Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, und Vize-Außenminister Sedat Önal. Zum Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.
Die Türkei hat bislang eine wichtige Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg gespielt. Ankara organisierte Treffen zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern in Istanbul sowie ein Treffen der Außenminister beider Länder in Antalya. Erdogan will nun außerdem den Weg für ein Gipfeltreffen zwischen Selenskyj und Kreml-Chef Wladimir Putin ebnen.
N.Walker--AT