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Iran greift Israel erstmals direkt mit Raketen und Drohnen an
Gefährliche Eskalation im Nahen Osten: Der Iran hat Israel erstmals direkt von seinem Staatsgebiet aus mit Drohnen und Raketen angegriffen. Nach bangen Stunden gab die israelische Armee am Sonntagmorgen dann bekannt, dass der Angriff "vereitelt" worden sei. Mehr als 200 Drohnen und Raketen seien zu "99 Prozent" abgefangen worden. Der Angriff löste internationale höchste Besorgnis und Angst vor einem regionalen Krieg aus. US-Präsident Joe Biden kündigte ein G7-Treffen für Sonntag an, auch der UN-Sicherheitsrat wollte tagen.
Der Iran hatte am späten Samstagabend seine Drohung wahrgemacht und Israel erstmals direkt mit Drohnen und Raketen angegriffen. Zunächst gab die israelische Armee einen iranischen Drohnen-Angriff auf israelisches Staatsgebiet bekannt. Später berichteten die iranischen Staatsmedien, die Revolutionsgarden hätten bei dem "umfangreichen" Angriff auch Raketen auf Israel abgefeuert, die schneller als die langsameren Drohnen fliegen.
Zeitgleich mit dem iranischen Luftangriff führten auch die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon sowie die Huthi-Rebellen im Jemen Angriffe gegen israelische Ziele etwa auf den Golan-Höhen aus.
In mehreren Orten in Israel wurde in der Nacht Luftalarm ausgelöst, darunter in Jerusalem und im Süden Israels. In der Folge waren auch Explosionen zu hören, Menschen suchten Schutz in Schutzräumen. Der Luftraum über Israel wurde gesperrt und erst am Sonntagmorgen um 06.30 Uhr MESZ wieder geöffnet.
Keine der Drohnen und Marschflugkörper habe israelisches Gebiet erreicht, sagte ein israelischer Armeesprecher am Sonntagmorgen. Nur "wenige" ballistische Raketen seien bis nach Israel durchgedrungen, eine habe den Luftwaffenstützpunkt Nevatim im Süden des Landes "leicht" getroffen. Der Militärstütztpunkt sei aber intakt.
Israels Verteidigungsminister Joav Gallant erklärte: "Gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und weiteren Partnern ist es dem Staat Israel gelungen, sein Territorium zu verteidigen." Er fügte jedoch hinzu: "Die Schlacht ist noch nicht vorbei - wir müssen wachsam bleiben."
Der Angriff sei eine Reaktion auf die "Aggression" Israels gegen ein iranisches Konsulargebäude in der syrischen Hauptstadt Damaskus, erklärte die iranische Vertretung bei der UNO im Onlinedienst X. Bei dem Israel zugeschriebenen Angriff waren 16 Menschen getötet worden, darunter zwei Generäle der iranischen Revolutionsgarden. Die Führung in Teheran hatte daraufhin mit Vergeltung gedroht.
Es handele sich um einen Konflikt zwischen dem Iran und Israel, "von dem sich die USA fernhalten müssen", erklärte die iranische UN-Vertretung. Sie fügte hinzu, der Iran hoffe, dass es keine weitere Eskalation von israelischer Seite gebe, dann könne "die Angelegenheit als abgeschlossen angesehen" werden. In Teheran demonstrierten Hunderte ihre Unterstützung für den Angriff.
US-Präsident Joe Biden sprach von einem "dreisten" iranischen Angriff, er telefonierte mit Israel Regierungschef Benjamin Netanjahu, nachdem der in der Nacht mit seinem Sicherheitskabinett beraten hatte. Auch Biden hielt eine Dringlichkeitssitzung mit seinem Sicherheitsteam ab. Schon kurz nach Beginn des iranischen Angriffs hatte er Israel erneut die "unerschütterliche" Unterstützung der USA zugesichert, die im Vorfeld bereits zusätzliche Militärkräfte in die Region verlegt hatten.
Die US-Streitkräfte hätten nun dazu beigetragen, "fast alle" vom Iran auf Israel abgefeuerten Drohnen und Raketen abzuschießen, erklärte Biden. Streitkräfte oder Einrichtungen der USA seien nicht angegriffen worden. Israel habe eine "bemerkenswerte" Verteidigungsfähigkeit gezeigt.
Noch am Sonntag wollte Biden ein Treffen der G7-Staaten einberufen, zu denen auch Deutschland zählt. Ziel sei eine "einheitliche diplomatische Antwort" auf die iranischen Angriffe, die er "aufs Schärfste" verurteile, erklärte Biden. Nach einem Bericht der Nachrichtenseite Axios soll Biden dem israelischen Regierungschef Netanjahu gesagt habe, dass er einen israelischen Gegenschlag ablehne.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte die iranischen Angriffe scharf. "Mit dieser unverantwortlichen und durch nichts zu rechtfertigenden Attacke riskiert Iran einen regionalen Flächenbrand", erklärte Scholz nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Auch er sicherte Israel die Unterstützung Deutschlands zu. Weitere Reaktionen werde die Bundesregierung "nun eng mit unseren G7-Partnern und Verbündeten besprechen".
Nach Angaben aus Regierungskreisen wurde Scholz in der Nacht auf dem Weg zu einem dreitägigen Besuch in China laufend über die Entwicklungen im Nahen Osten unterrichtet. Das Kanzleramt hatte sich nach Angaben aus Regierungskreisen im Vorfeld darum bemüht, China als Vermittler zu gewinnen, um einen iranischen Angriff zu vermeiden. Peking brachte nun seine "tiefe Besorgnis" zum Ausdruck und rief alle Beteiligten zu "Ruhe und Zurückhaltung" auf.
Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die sich ebenfalls im Vorfeld um Deeskalation bemüht hatte, verurteilte den iranischen Angriff, "der eine ganze Region ins Chaos stürzen kann, aufs Allerschärfste", wie sie im Onlinedienst X schrieb. "Israel gilt in diesen Stunden unsere ganze Solidarität", fügte sie hinzu.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte "eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten". Er sei "zutiefst alarmiert über die sehr reale Gefahr einer verheerenden Eskalation in der gesamten Region", erklärte er. Der UN-Sicherheitsrat sollte um 22.00 Uhr am Sonntag zu Beratungen zusammenkommen. Auch Frankreich, Großbritannien und die EU verurteilten den iranischen Angriff auf Israel auf das Schärfste.
Der Iran ist ein erklärter Unterstützer der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas, die mit ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober den Krieg im Gazastreifen ausgelöst hatte. Sowohl der Iran als auch die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte Hamas haben die Vernichtung Israels als Ziel ausgegeben.
P.A.Mendoza--AT