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Ukraine: Sechs Tote bei russischem Angriff mit Raketen und Drohnen auf Charkiw
In der Millionenstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine sind bei einem erneuten nächtlichen russischen Angriff mit Raketen und Drohnen sechs Menschen getötet worden. Elf weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten, erklärte das Büro des Staatsanwalts von Charkiw in den Onlinediensten. "Der russische Terror gegen Charkiw hört nicht auf", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinenetzwerk Telegram. Er rief die Verbündeten Kiews erneut dazu auf, mehr Luftabwehrsysteme für das Land bereitzustellen.
Gegen 00:20 Uhr hätten die russischen Streitkräfte Raketen auf den nördlich gelegenen Wohnbezirk Schewtschenkiwskyi abgefeuert und dabei unter anderem Verwaltungsgebäude, eine Kinderkrippe, Geschäfte und Cafés beschädigt, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Das russische Verteidigungsministerium gab seinerseits an, "Unternehmen des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes" ins Visier genommen und getroffen zu haben.
Die Polizei von Charkiw erklärte, Russland habe "die Praxis des wiederholten Beschusses" angewendet. Zunächst sei die Stadt mit zwei S-300-Raketen angegriffen worden, erklärte sie in den Onlinenetzwerken. Als die Rettungskräfte an den Einschlagsorten im Einsatz gewesen seien, habe Russland Drohnen geschickt. Der Polizei zufolge seien die Drohnen von der Luftabwehr abgeschossen worden.
Charkiws Bürgermeister Igor Terechow hatte zunächst angegeben, dass die sechs Opfer bei einem Angriff mit Schahed-Drohnen iranischer Bauart getötet worden seien. Nach seinen Angaben wurden "neun Wohnhäuser" sowie "zwei Kindergärten, zwei Schulen" und mehrere Dutzend Geschäfte beschädigt.
Auf von der Polizei im Onlinedienst Telegram veröffentlichten Fotos waren mehrere Brände in zivilen Bereichen zu sehen, darunter in der Nähe eines Hochhauses mit Wohnungen. Bei einem weiteren Angriff auf das Dorf Danyliwka vor den Toren von Charkiw wurde laut Polizei niemand verletzt.
Die Ukraine wird fast jede Nacht aus Russland angegriffen, die grenznahe Stadt Charkiw ist dabei besonders oft im Visier russischer Truppen. Ukrainische Behörden fordern die westlichen Verbündeten regelmäßig auf, mehr Luftabwehrsysteme zu liefern, darunter moderne Patriot-Systeme aus den USA. Die US-Militärhilfe für Kiew ist derzeit ins Stocken geraten. Seit mehreren Monaten wird im Kongress ein milliardenschweres Hilfspaket blockiert.
Aus der südlichen Region Cherson meldeten die Behörden am Samstag, die Leichen eines Paares gefunden zu haben, das am Vortag bei einem russischen Raketenangriff getötet wurde.
In der Nachbarregion Saporischschja hatte es am Freitag vier Todesopfer bei einem Raketenangriff auf die gleichnamige Stadt gegeben. Den ukrainischen Behörden zufolge attackierte Russland auch Saporischschja mit einem doppelten Angriff. Dabei wird ein Ort ein zweites Mal bombardiert, wenn die Rettungsdienste und die Presse vor Ort eingetroffen sind.
Am Vortag wurden auch in Charkiw drei Rettungskräfte zu Todesopfern eines solchen Beschusses. Selenskyj sprach von einem "verabscheuungswürdigen und zynischen Angriff".
A.O.Scott--AT