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Politische Funkstille in Frankreich nach Ende des Präsidentschaftswahlkampfs
Zwei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben die zwölf Kandidaten am Freitag ein letztes Mal um Stimmen geworben. Um Mitternacht endet offiziell der Wahlkampf. Erwartet wird, dass es in zwei Wochen zu einer Stichwahl zwischen Präsident Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen kommt. Eine der letzten Umfragen sieht Macron im zweiten Wahlgang mit 52 Prozent knapp vor seiner Rivalin, die auf 48 Prozent kommt.
Bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse am Sonntag nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr herrscht in Frankreich politische Funkstille. Stellungnahmen und Umfragen sind verboten - auch wenn traditionell die Nachbarländer schon vor Ablauf der Frist Tendenzen veröffentlichen.
Macron ließ sich am Freitagmorgen spontan auf einem Markt im Pariser Vorort Neuilly blicken. Er hatte zuvor seine Hauptgegnerin Le Pen scharf angegriffen. "Ihr Sozialprogramm basiert auf Lügen, das kann sie gar nicht finanzieren", sagte er der Zeitung "Le Parisien" (Freitagsausgabe). "Sie lügt die Menschen an", fügte er hinzu. Sie vertrete ein "brutal rassistisches Programm, das darauf abzielt, die Gesellschaft zu spalten", sagte Macron.
Le Pen, die im südfranzösischen Narbonne ebenfalls über einen Markt ging, erklärte, dass Macron wohl "aggressiv und nervös" sei. Sie bekräftigte ein letztes Mal vor der Wahl ihre Vorhaben, darunter ein Kopftuchverbot im öffentlichen Raum, die Rente mit 60 bis 62 und den Vorrang für Franzosen bei Jobs und Wohnungen.
Nach den jüngsten Umfragen läuft es auf eine Stichwahl zwischen Macron und Le Pen am 24. April hinaus. Mehrere linke Politiker, unter ihnen die gescheiterte sozialistische Präsidentschaftskandidatin Anne Hidalgo, rufen bereits dazu auf, in diesem Fall für Macron zu stimmen. Die rechtskonservative Kandidatin Valérie Pécresse kündigte hingegen an, keine Wahlempfehlung abgeben zu wollen.
Unterdessen bereiten die Wahlkampfhelfer der Kandidaten den Wahlsonntag vor. Macron wird in Le Touquet wählen und lädt seine Anhänger am Abend in ein Pariser Kongresszentrum ein. Seinen Sieg in der ersten Runde 2017 hatte er mit Prominenten in einem schicken Pariser Restaurant gefeiert, was ihm Kritik eingebracht hatte. Le Pen wird im nordfranzösischen Hénin-Beaumont wählen und am Abend ebenfalls in Paris sein.
In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage von Ifop-Fiducial kommt Macron auf 26 Prozent, genau so viel wie im Januar. Kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs hatte er einen Höchststand von 31,5 Punkten erreicht. Le Pen, die im Januar bei 17 Prozent lag, ist seitdem auf 24 Prozent geklettert. Seit Mitte März hat sie sich kontinuierlich verbessert. Auch der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon legte in den Umfragen zu, hat aber mit 17 Prozent kaum Aussicht, in die Stichwahl zu kommen.
In einer möglichen Stichwahl zwischen Macron und Le Pen liegen die beiden Rivalen nach dieser Umfrage vier Punkte auseinander (52 zu 48 Prozent). Seit einer Woche etwa hat sich der Abstand beständig verringert. In anderen Umfragen hatte der Abstand nur drei Punkten betragen, was in etwa der Fehlermarge entspricht.
Le Pen kann in der Stichwahl damit rechnen, dass 73 Prozent der Wähler ihres rechtsextremen Konkurrenten Eric Zemmour, aber auch 27 Prozent der Mélenchon-Wähler für sie stimmen. 31 Prozent der Pécresse-Wähler würden in der Stichwahl ebenfalls eher für Le Pen als für Macron stimmen.
Allerdings sind zwischen 25 und 30 Prozent der Franzosen noch nicht entschieden, und Le Pen und ihre Partei haben bei den vergangenen Wahlen regelmäßig schlechter abgeschnitten als zuvor in den Umfragen. Und schließlich wird es stark auf die Wahlbeteiligung ankommen, die nach dieser Umfrage bei 73 Prozent liegen könnte, fünf Punkte niedriger als 2017.
W.Morales--AT