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Dutzende Busse mit Geflüchteten aus Mariupol erreichen Saporischschja
Dutzende Busse mit Zivilisten aus der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol sowie anderen Vertriebenen an Bord sind am Freitagabend im 220 Kilometer entfernten Saporischschja eingetroffen. In den Bussen saßen zahlreiche Einwohner Mariupols, die es geschafft hatten, in die von der russischen Armee besetzte Stadt Berdiansk zu gelangen, wo sie von dem Konvoi abgeholt wurden, wie Geflohene und Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagten.
"Ich muss einfach weinen. Ich habe gerade meine Enkelin wiedergesehen", sagte eine Frau namens Olga, die in einem Registrierungszentrum für Flüchtlinge in Saporischja auf ihre Verwandten wartete. "Worte können nicht beschreiben, wie glücklich ich bin zu sehen, dass sie in Sicherheit ist." Die Familie der Mutter ihrer Engkelin sei noch in Mariupol "und wir wissen nicht, ob sie noch am Leben sind".
Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk sagte in einem Video im Messengerdienst Telegram, es hätten sich 42 Busse auf den Weg gemacht, um Zivilisten aus Mariupol in Sicherheit zu bringen. Ein AFP-Reporter in Saporischschja sah dort rund 30 Busse.
Wereschtschuk versprach den vielen anderen in Mariupol festsitzenden Zivilisten, sich weiter mit aller Kraft um ihre Rettung zu bemühen. "Wir wissen, wie sehr Ihr gerettet werden wollt", sagte die Vize-Regierungschefin. "Jeden Tag werden wir es immer wieder versuchen durchzukommen, bis Ihr eine Chance bekommt, die Stadt zu verlassen, und vor allem, ein Leben in Frieden zu führen."
Mariupol steht seit Wochen unter massivem Beschuss der russischen Streitkräfte. Nach ukrainischen Angaben wurden in der Stadt seit Kriegsbeginn mindestens 5000 Menschen getötet, etwa 160.000 Zivilisten sollen in der weitgehend zerstörten Stadt noch festsitzen. Die humanitäre Situation in der Stadt ist verheerend; die Menschen haben kaum Zugang zu Wasser, Lebensmitteln und Strom.
Eigentlich hatte am Freitag das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zivilisten aus Mariupol nach Saporischschja bringen sollen. Das IKRK bezeichnete es am Abend aber als "unmöglich", die geplante Evakuierungsaktion umzusetzen. Ein IKRK-Team aus neun Mitarbeitern und drei Autos habe Mariupol nicht erreicht. Am Samstag werde ein neuer Versuch gestartet.
"Wir finden keine Adjektive mehr, um den Schrecken zu beschreiben, unter dem die Bewohner von Mariupol leiden", sagte IKRK-Sprecher Ewan Watson. "Die Situation ist entsetzlich und verschlechtert sich."
D.Lopez--AT