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Stadtverwaltung geht von 300 Toten bei russischem Angriff auf Mariupoler Theater aus
Im Ukraine-Krieg reißen die Schreckensnachrichten über zivile Opfer der russischen Angriffe nicht ab: Die Stadtverwaltung des seit Wochen heftig umkämpften Mariupol sprach am Freitag von rund 300 Menschen, die wohl durch den Beschuss eines als Schutzort dienenden Theaters in der vergangenen Woche getötet worden seien. Aus Charkiw im Osten wurden vier Tote bei einem Angriff auf eine medizinische Einrichtung gemeldet. Das ukrainische Militär verkündete derweil Erfolge bei Angriffen auf Versorgungslinien der russischen Streitkräfte.
Der Angriff auf das Theater der Hafenstadt Mariupol im Süden der Ukraine hatte international für Empörung gesorgt. Nähere Informationen zur Zahl der Opfer hatte es bisher aber nicht gegeben. Nach ukrainischen Angaben und auch laut Hilfsorganisationen waren hunderte Menschen wegen der russischen Bombardements in den Schutzraum des Gebäudes geflüchtet. Vor einer Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, mehr als 130 Menschen seien aus den Trümmern gerettet worden, "hunderte" seien aber weiterhin verschüttet.
"Bis zuletzt will man glauben, dass alle in Sicherheit sind", erklärte die Verwaltung von Mariupol nun. "Doch die Zeugenaussagen derjenigen, die sich zum Zeitpunkt dieses Terrorakts im Gebäude befanden, sagen das Gegenteil." Es müsse von rund 300 Toten ausgegangen werden.
Die Polizei in der ostukrainischen Großstadt Charkiw meldete am Freitag einen russischen Angriff auf eine medizinische Einrichtung. "Sieben Zivilisten wurden bei einem Bombardement mit Mehrfachraketenwerfern verletzt, vier davon starben", erklärte sie.
Die Ukraine und westliche Staaten werfen den russischen Streitkräften seit Beginn des Angriffskriegs vor, gezielt zivile Ziele unter Beschuss zu nehmen oder zivile Opfer zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Berichte über zerstörte Krankenhäuser hatten wiederholt für Empörung gesorgt. Moskau streitet die Vorwürfe ab und wirft seinerseits den ukrainischen Streitkräften vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
Vor diesem Hintergrund wächst auch die Furcht vor dem Einsatz chemischer Waffen. Die Gefahr sei "real", sagte Präsident Selenskyj. Nach ukrainischen Angaben kamen bereits Phosphorbomben im Kiewer Vorort Irpin und in der ostukrainischen Region Luhansk zum Einsatz. Angesprochen auf die Vorwürfe wies Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag jeglichen Verstoß gegen internationale Konventionen zurück.
Nach Angaben des Gouverneurs von Luhansk, Serhij Gayday, waren in der Ortschaft Rubischne in der Nacht zum Donnerstag vier Menschen, darunter zwei Kinder, durch einen Phosphorbombenangriff getötet worden. In der Nacht zum Freitag starben dort demnach erneut zwei Menschen durch russische Bombardements.
Die ukrainischen Streitkräfte griffen derweil nach eigenen Angaben russische Kriegsschiffe im besetzten Hafen von Berdjansk an. Der ukrainische Generalstab erklärte, das russische Landungsschiff "Saratow" sei zerstört und die Landungsschiffe "Cäsar Kunikow" und "Nowotscherkassk" seien beschädigt worden. Zuvor hatte die ukrainische Marine mitgeteilt, sie habe den Truppentransporter "Orsk" zerstört.
Berdjansk liegt südwestlich dem seit Wochen belagerten Mariupol am Asowschen Meer. Die kleinere Hafenstadt war wie das weiter westlich gelegene Cherson kurz nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar von russischen Truppen eingenommen worden.
Der britische Militärgeheimdienst erklärte, der ukrainische Angriff auf "hochwertige" Ziele habe auch ein Munitionslager zerstört. Es sei Teil einer Strategie der Ukraine, die auf die verwundbaren russischen Versorgungslinien abziele.
Die russische Seite meldete, das größte Treibstofflager der Ukraine bei Kiew mit "hochpräzisen seegestützten Marschflugkörpern vom Typ Kalibr" zerstört zu haben. In der Ortschaft Kalynikwa habe die ukrainische Armee ihren "größten verbliebenen Treibstoffvorrat" aufbewahrt, sagte ein Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums. Kiew bestätigte einen Angriff und Brand in Kalyniwka.
H.Gonzales--AT