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Russland weitet Angriffe in der Ukraine unter anderem mit Hyperschallraketen aus
Russland hat seine Angriffe auf die Ukraine nochmals verstärkt und dabei nach eigenen Angaben wiederholt neuartige Hyperschallraketen eingesetzt. Mit den Raketen vom Typ Kinschal (Dolch) sei ein Treibstofflager der ukrainischen Armee in der Region Mykolajiw zerstört worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Sonntag. Die humanitäre Lage in mehreren ukrainischen Städten verschlimmerte sich weiter, mehr als 6600 Menschen flohen am Samstag aus Mariupol und Kiew.
Die Kinschal-Hyperschallrakten seien vom Luftraum der Krim auf ein Lager für Treib- und Schmierstoffe der ukrainischen Streitkräfte in der Region Mykolajiw abgefeuert worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Von dort habe die ukrainische Armee die meisten Treibstofflieferungen für ihre Panzerfahrzeuge im Süden des Landes organisiert. Auch vom Kaspischen Meer abgeschossene Marschflugkörper des Typs Kalibr kamen laut Moskau zum Einsatz.
Am Freitag war laut russischem Verteidigungsministerium erstmals eine Kinschal-Rakete abgefeuert worden. Dabei sei ein unterirdisches Waffenlager der ukrainischen Luftwaffe im Dorf Deljatyn zerstört worden - rund hundert Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitgliedstaat Rumänien entfernt. Es war nach Einschätzung von Militärexperten das erste Mal überhaupt, dass Russland Hyperschallraketen in einem bewaffneten Konflikt einsetzte.
Russland hat diese Waffen als erstes Land der Welt entwickelt. Die Flugkörper können bei extremer Geschwindigkeit Höhe und Richtung ändern und somit gegnerische Luftabwehrsysteme überwinden.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte außerdem, dass mit "Hochpräzisionsraketen" ein Trainingszentrum der ukrainischen Spezialeinheiten in der Region Schytomyr westlich von Kiew beschossen worden sei. "Mehr als 100 Mitglieder der (ukrainischen) Spezialkräfte und ausländische Söldner wurden bei diesem Schlag getötet", hieß es. Die Ukraine meldete derweil den Tod eines russischen Generals bei einem Angriff außerhalb Chersons.
Der anhaltende russische Beschuss trieb nach Behördenangaben mehr als 6600 weitere Menschen aus Mariupol und Kiew in die Flucht. Demnach nutzten 4128 Menschen Fluchtkorridore aus der belagerten Hafenstadt Mariupol und weitere 1820 Menschen aus der Hauptstadt Kiew.
Der russischen Armee gelang es nach eigenen Angaben am Samstag, in die Stadt Mariupol vorzudringen. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj sagte am Sonntag, Mariupols Belagerung sei ein Kriegsverbrechen und "Terror, an den man sich sogar noch nächstes Jahrhundert erinnern wird". Unter den Trümmern eines bombardierten Theaters in Mariupol wurde weiter nach hunderten Verschütteten gesucht.
Zudem wurde in Mariupol eine große Stahlfabrik schwer beschädigt. Die ukrainische Abgeordnete Lesja Wasilenko veröffentlichte ein Video, das ihr zufolge eine Explosion im Werk der Asowstal-Gruppe zeigt, und warnte vor schweren Umweltschäden. Ihr Kollege Serhij Taruta schrieb auf Facebook, die russischen Streitkräfte "haben die Fabrik praktisch zerstört". Die Werksleitung erklärte, es seien vorab Maßnahmen ergriffen worden, um die Umweltschäden im Falle eines Angriffs zu verringern.
In Kiew heulten am Samstagabend erneut die Sirenen, wie Bewohner in Online-Netzwerken schilderten. Auch die Stadt Charkiw im Nordwesten wurde am Samstag weiter bombardiert. Dabei wurden nach Behördenangaben ein Mann und ein neunjähriges Kind getötet.
Der Bürgermeister der nordukrainischen Stadt Tschernihiw, Wladislaw Atroschenko, schilderte eine "absolute humanitäre Katastrophe" in seiner Stadt. "Dutzende Zivilisten werden getötet, Kinder und Frauen", sagte er im Fernsehen. Es gebe "keinen Strom, keine Heizung und keine Wasserversorgung".
Selenskyj warf Russland vor, mit seinem Beschuss humanitäre Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung zu verhindern. Der Nothilfe-Koordinator vom Welternährungsprogramm (WFP), Jakob Kern, sagte AFP, hunderttausende Frauen und Kinder in eingekesselten ukrainischen Städten könnten nicht mit Hilfsgütern versorgt werden.
Selenskyj rief Russland zu erneuten Gesprächen zur Beilegung des Konflikts auf. Zugleich mahnte sein Berater Michailo Podoljak China, "die Koalition der zivilisierten Länder zu unterstützen und die russische Barbarei zu verurteilen".
Y.Baker--AT