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Selenskyj kündigt nach russischem Angriff auf Tschernihiw "spürbare" Reaktion an
Nach dem russischen Raketenangriff auf das Zentrum der Stadt Tschernihiw in der Nordukraine mit sieben Toten und 148 Verletzten hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine entschlossene Reaktion angekündigt. "Unsere Soldaten werden Russland eine Antwort auf diesen Terroranschlag geben - eine spürbare Antwort", sagte er. Selenskyj traf nach einem Besuch in Schweden am Sonntag in den Niederlanden ein, wo er mit Regierungschef Mark Rutte über F-16-Kampfjets sprechen wollte, wie er auf Telegram ankündigte.
Bei dem Beschuss von Tschernihiw schlug eine Rakete mitten im Stadtzentrum ein. Insgesamt wurden sieben Menschen getötet und 148 Menschen verletzt, wie Tschernihiws Regionalgouverneur Wjatscheslaw Tschaus am Sonntag mitteilte. Seinen Angaben zufolge wurden "mehr als 500 Häuser" beschädigt. Selenskyj zufolge war ein sechs Jahre altes Mädchen unter den Todesopfern.
"Es gab Rauch, Schreie, die Menschen rannten, weinten, stöhnten. Wir sind zum Schutzraum gerannt, als alles passierte, und haben uns dort hingesetzt", sagte die 24-jährige Barkeeperin Iryna. "Ich stehe immer noch ein wenig unter Schock, denn sowas ist schon lange nicht mehr passiert."
Tschernihiw liegt rund 150 Kilometer nördlich von Kiew in Richtung der Grenze zum mit Russland verbündeten Belarus. Russische Streitkräfte waren zu Beginn des Kriegs im Februar 2022 durch Tschernihiw marschiert und wurden dann von ukrainischen Kräften zurückgedrängt. Anders als der Osten und der Süden blieb der Norden der Ukraine seitdem weitgehend von heftigen Kämpfen verschont.
Die Vereinten Nationen verurteilten den Raketenangriff. "Es ist abscheulich, den Hauptplatz einer großen Stadt am Morgen anzugreifen, während die Menschen spazieren gehen, einige in die Kirche gehen", um einen für viele Ukrainer religiösen Feiertag zu begehen, erklärte die humanitäre UN-Koordinatorin für die Ukraine, Denise Brown.
Der Angriff auf Tschernihiw erfolgte kurz nach einem Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Südrussland mit für den Ukraine-Krieg zuständigen Generälen. Es war eine seltene Reise Putins in die Nähe von Kampfgebieten.
Selenskyj sprach bei einem Besuch in Schweden über weitere Militärhilfen des EU-Landes. Ein Thema sei die gemeinsame Produktion von leichten Panzern des Typs CV90 gewesen, schrieb Selenskyj im Onlinedienst Telegram. Zudem seien Tests mit ukrainischen Piloten auf schwedischen Gripen-Kampfflugzeugen angelaufen.
Am Sonntag reiste Selenskyj in die Niederlande weiter, wo er mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte sprechen wollte, wie Selenskyj im Onlinedienst Telegram ankündigte. "Das Hauptthema sind F-16(-Kampfjets) für die Ukraine, um unser Volk vor dem russischen Terror zu beschützen", schrieb Selenskyj.
Beide Konfliktparteien erklärten derweil am Wochenende, Drohnenangriffe abgewehrt zu haben. Kiew gab an, in der Nacht zum Samstag mehr als ein Dutzend russische Drohnen abgeschossen zu haben.
Das russische Verteidigungsministerium meldete, der Versuch eines "Terrorangriffs" durch die Ukraine mit einer Drohne auf Infrastruktur in Moskau und der Region Moskau sei am frühen Sonntagmorgen "vereitelt" worden. Die Drohne sei durch "elektronische Kriegsführung" zerstört worden. Es habe keine Opfer oder Schäden gegeben.
Bei einem weiteren ukrainischen Drohnenangriff in der Nacht zum Sonntag wurde nach russischen Angaben ein Bahnhof im rund 90 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt liegenden Kursk in Westrussland getroffen. Fünf Menschen seien verletzt worden, teilte der örtliche Gouverneur mit. In der südlichen russischen Region Rostow wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs zwei ukrainische Drohnen von der russischen Luftabwehr abgefangen.
Bereits am Samstag wehrte die russische Armee nach eigenen Angaben in der Region Nowgorod im Nordwesten Russlands einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Militärflugplatz ab.
Beide Konfliktparteien melden regelmäßig Drohnenangriffe. Angriffe auf russisches Territorium haben dabei zugenommen.
Die russische Armee gab am Wochenende zudem bekannt, etwa 150 ukrainische Soldaten "eliminiert" zu haben, die den Fluss Dnipro überqueren und auf russisch besetztes Gebiet gelangen wollten. Die ukrainischen Streitkräfte versuchen am Dnipro, Frontlinie im Süden des Landes, in die Verteidigungsanlagen Moskaus einzudringen.
T.Sanchez--AT