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Russische Armee weitet Offensive in der Ukraine aus
Die russische Armee hat ihre Offensive in der Ukraine am Freitag ausgeweitet und erstmals die Industriestadt Dnipro und zwei Luftwaffenstützpunkte im Westen des Landes angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Armee versuchten die russischen Truppen, die Hauptstadt Kiew weiter einzukesseln. Immer verzweifelter wurde die Situation in der belagerten Hafenstadt Mariupol. Russlands Präsident Putin machte unterdessen "positive Veränderungen" in den Verhandlungen mit der Ukraine aus.
Bei Luftangriffen auf Dnipro in der Zentralukraine wurde mindestens ein Mensch getötet. "Es gab drei Luftangriffe in der Stadt, die einen Kindergarten, ein Apartmenthaus und eine zweistöckige Schuhfabrik trafen", erklärten die Rettungskräfte. "Eine Person kam ums Leben."
Bei Luftangriffen auf den Militärflughafen von Luzk im Nordwesten des Landes wurden zwei ukrainische Soldaten getötet und sechs weitere verletzt. Von einem russischen Jagdflugzeug seien vier Raketen abgefeuert worden, teilte ein Vertreter der Regionalverwaltung auf Telegram mit. Die russische Armee attackierte auch den Militärflughafen Iwano-Frankiwsk im äußersten Westen. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums erklärte, beide Luftwaffenstützpunkte seien unbrauchbar gemacht geworden.
Der ukrainische Generalstab warnte, die russische Armee versuche, die Verteidigung in den Regionen westlich und nordwestlich der Hauptstadt auszuschalten, um Kiew zu "blockieren". Die Region Kiew bereitete sich "auf die Evakuierung der am stärksten gefährdeten Ortschaften vor", kündigten die Behörden an.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezichtigte das russische Militär in einem Video des Angriffs auf einen Fluchtkorridor aus der belagerten Hafenstadt Mariupol. "Die Besatzer haben einen Panzerangriff genau dort gestartet, wo dieser Korridor verlaufen sollte." Er bezeichnete den Angriff als einen Akt "unverschämten Terrors von erfahrenen Terroristen".
Hilfsorganisationen berichten von einer dramatischen Lage der rund 300.000 Zivilisten, die in Mariupol ohne Wasser, Strom und Gas ausharren. "Die Leute haben angefangen, sich um Essen zu schlagen. Andere haben das Auto eines anderen zerstört, um Benzin abzuzapfen", beschrieb Sascha Wolkow, Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), in einer Audio-Mitteilung die Situation. Die Menschen in der strategisch wichtigen Stadt am Asowschen Meer sind bereits seit zehn Tagen eingeschlossen.
Am Freitag appellierte Selenskyj an die Europäische Union, mehr für sein Land zu tun. "Man muss stärker vorgehen. Das ist nicht das, was wir erwarten", sagte Selenskyj. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten in der Nacht zum Freitag eine Erklärung veröffentlicht, wonach die EU die Ukraine auf ihrem "europäischen Weg" unterstütze.
Mit scharfen Worten reagierte Selensky auf die Anordnung Putins, die Entsendung von "freiwilligen" Kämpfern in die Ukraine zu erleichtern. Russland engagiere "syrische Mörder", um die Ukraine zu "zerstören", sagte er. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte nach Angaben von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gesagt, Kämpfer aus Syrien kämen für diesen Einsatz in Frage.
Bei nächtlichen Luftangriffen wurden auch die Städte Tschernihiw im Norden, Sumy im Nordosten und Charkiw im Osten getroffen. In der Nähe von Charkiw wurde eine Behinderteneinrichtung getroffen. Ersten Angaben der Rettungskräfte zufolge gab es keine Opfer. Laut Regionalverwaltung waren zum Zeitpunkt des Angriffs 330 Menschen vor Ort.
Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar flohen nach Angaben der UNO 2,5 Millionen Menschen aus dem Land. Die Zahl der Binnenflüchtlinge stieg auf rund zwei Millionen, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mitteilte.
Russlands Präsident Putin sagte unterdessen bei einem Treffen mit dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko, es gebe "gewisse positive Veränderungen" in den Verhandlungen mit der Ukraine. Delegationen aus Kiew und Moskau waren in den vergangenen zwei Wochen drei Mal zu Gesprächen in Belarus zusammengekommen. Im Mittelpunkt dieser Verhandlungen stand die Schaffung von Fluchtkorridoren für Zivilisten.
N.Mitchell--AT