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Söldnertruppe Wagner verkündet Eroberung Bachmuts - Kiew widerspricht
Die russische Söldnertruppe Wagner hat nach eigenen Angaben die heftig umkämpfte Stadt Bachmut im Osten der Ukraine "im rechtlichen Sinne" erobert. Aus Kiew hieß es hingegen, die ukrainischen Streitkräfte würden Bachmut weiter halten und Moskau meldete keine Fortschritte der russischen Truppen bei den Kämpfen um die Stadt. Unterdessen reiste Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) überraschend nach Kiew. Polen lieferte nach eigenen Angaben die ersten MiG-29-Kampfjets an die Ukraine.
"Im rechtlichen Sinne ist Bachmut eingenommen worden", teilte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin am Montag im Onlinedienst Telegram mit. Seinen Angaben zufolge konzentrierte sich die ukrainische Armee "auf die westlichen Gebiete", das Verwaltungsgebäude der Stadt sei unter russischer Kontrolle.
In einem Video zu dem Telegram-Beitrag ist der Wagner-Chef zu sehen, wie er eine russische Flagge hält, die die Söldner seinen Angaben zufolge auf dem Rathaus aufstellen sollen. "Das ist die private Militärfirma Wagner, das sind die Jungs, die Bachmut eingenommen haben. Rechtlich gesehen gehört es uns", sagte der Wagner-Chef.
Das russische Verteidigungsministerium meldete hingegen keine Fortschritte seiner Streitkräfte in Bachmut. Ein Sprecher nannte auf einer Pressekonferenz am Montag noch nicht einmal den Namen der ostukrainischen Stadt.
Auch der ukrainische Generalstab stellte die Situation in Bachmut anders dar als Wagner-Chef Prigoschin. "Der Feind hat seinen Angriff auf Bachmut nicht eingestellt. Die ukrainischen Verteidiger halten die Stadt jedoch tapfer, indem sie zahlreiche feindliche Angriffe abwehren", erklärte der Generalstab am Sonntagabend im Onlinedienst Facebook.
Nach der Veröffentlichung des Videos von Prigoschin ergänzte der ukrainische Generalstab am Montag: "Der Feind hört nicht auf mit seinen Angriffen auf Bachmut und will dort die komplette Kontrolle übernehmen. Unsere Soldaten haben mehr als 20 feindliche Angriffe zurückgeschlagen."
Die Schlacht um Bachmut ist die am längsten andauernde der einjährigen russischen Offensive in der Ukraine. Die vor Beginn des Krieges 70.000 Einwohner zählende Stadt ist nach den monatelangen Kämpfen weitgehend zerstört und verlassen. Die Stadt in der Industrieregion Donbass hat jedoch angesichts der seit Monaten andauernden Gefechte mit großen Verlusten mittlerweile für beide Seiten eine hohe symbolische Bedeutung erlangt.
Unterdessen reiste Bundeswirtschaftsminister Habeck per Zug mit einer kleinen Wirtschaftsdelegation überraschend in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Ziel der Reise sei es, "dass die Ukraine ein klares Zeichen kriegt, dass wir daran glauben, dass sie siegreich sein wird, dass sie wieder aufgebaut wird", sagte Habeck laut Aufnahmen des ZDF.
Es gebe ein Interesse Europas, "nicht nur in der Not zu unterstützen, sondern dass die Ukraine auch ein wirtschaftlich starker Partner in der Zukunft sein wird", erläuterte der Wirtschaftsminister.
Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, sicherte der Ukraine Unterstützung der deutschen Wirtschaft beim Wiederaufbau zu. Die Reise "ist ein Signal und ein Angebot der deutschen Wirtschaft, den Wiederaufbau der Ukraine gemeinsam mit den Ukrainern mitzugestalten", sagte Wansleben dem "Handelsblatt".
Polen erklärte derweil, erste Kampfjets vom Typ MiG-29 aus sowjetischer Produktion an die Ukraine geliefert zu haben. Sie seien nützlich für die Ukraine, "um unser aller Sicherheit zu verteidigen", sagte Marcin Przydacz, ein Berater des polnischen Präsidenten Andrzej Duda, am Montag im Radiosender RMF FM. Der polnische Staatschef hatte Mitte März angekündigt, sein Land werde "in den kommenden Tagen vier voll einsatzbereite Flugzeuge" in die Ukraine überführen.
Der polnische Präsidentenberater Przydacz sagte zudem, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj werde am Mittwoch Warschau besuchen. Es sei ein "offizieller Besuch, aber es wird auch einen öffentlichen Teil geben", sagte Przydacz im Sender RMF FM. Demnach wird Selenskyj sich auch mit in Polen lebenden Ukrainern treffen.
Es wäre die dritte Auslandsreise Selenskyjs seit Beginn des Krieges in der Ukraine. Im Dezember hatte der ukrainische Präsident Washington besucht. Anfang Februar führte er zunächst Gespräche in London und Paris, bevor er zu einem EU-Sondergipfel in Brüssel weiterreiste.
Finnland steht derweil unmittelbar vor dem Beitritt in die Nato: Am Dienstag werde das Land als 31. Mitglied in dem Militärbündnis begrüßt, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag.
Das skandinavische Land hatte in der Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gemeinsam mit seinem Nachbarland Schweden den Beitritt zur Nato beantragt. Schweden steht noch vor einigen Hürden, da sowohl die Türkei als auch Ungarn den Beitritt noch nicht ratifiziert haben.
O.Brown--AT