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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Kenia eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland in Aussicht gestellt. Die im vergangene Jahr mit Kenia vereinbarte Klima- und Entwicklungspartnerschaft solle "mit weiterem Leben gefüllt werden", sagte Scholz am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kenianischen Präsidenten William Ruto im Bundeskanzleramt. Das ostafrikanische Land lobte der Kanzler als "Klima-Champion und Vorbild".
Scholz forderte zudem mehr Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und Kenia. Kenianische Unternehmen sollten besseren Zugang zum europäischen Markt erhalten und nachhaltig in Lieferketten eingebunden werden, sagte er. Auch eine Afrikanische Freihandelszone würde Deutschland "gerne und intensiv" unterstützen.
Ruto betonte, sein Land und Deutschland hätten ähnliche Vorstellungen beim Kampf gegen den Klimawandel. Er regte eine Zusammenarbeit insbesondere in den Bereichen Geothermie, Wind- und Sonnenenergie an. Deutsche Technologie könne mit den Erdwärmeressourcen Kenias zusammengeführt werden, um ein gutes Ergebnis "nicht nur für Kenia und Deutschland, sondern für Afrika und Europa insgesamt zu erzielen", sagte er. Ein erster bedeutender Vertrag sei jüngst bereits unterzeichnet worden.
Auch Humankapital solle erschlossen werden, sagte Ruto. Kenia sei "bereit, Fachkräfte nach Deutschland und Europa zu schicken".
Der kenianische Präsident ging auch auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ein. "Sollte es zu Angriffen kommen, wo auch immer, dann ist das ein Angriff auf alle", sagte Ruto. Gleichzeitig forderte er, der Krieg in Europa müsse beendet werden.
Scholz nannte Kenia "eine gefestigte und funktionierende Demokratie" und einen "stabilisierender Faktor in einer unruhigen Region" - mit Blick auf Krisen in Ländern wie Somalia, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo. Deutschland wolle das Land in seiner stabilisierenden Rolle noch mehr unterstützen, sagte Scholz.
Die derzeitigen Proteste in seinem Land bezeichnete der kenianische Präsident als "Herausforderungen, denen sich Demokratien stellen müssen". Wer sich aber "an kriminellen Aktivitäten beteiligt, wird zur Rechenschaft gezogen", sagte Ruto.
In dem ostafrikanischen Land gibt es seit der vergangenen Woche Proteste gegen die Regierung und die Inflation, dabei kam es immer wieder auch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Viele Menschen in Kenia leiden unter den steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel, dem starken Verfall des Schillings und einer Rekorddürre.
Ruto reist am Dienstag nach Brüssel weiter, um nach eigenen Angaben ein Wirtschaftsabkommen zwischen Kenia und der EU voranzubringen.
W.Moreno--AT