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Im Iran lebender Ägypter al-Adel ist laut US-Außenministerium neuer Al-Kaida-Chef
Der im Iran lebende Ägypter Saif al-Adel ist nach US-Erkenntnissen der neue Anführer des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte am Mittwoch (Ortszeit) in Washington, al-Adel habe nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri im vergangenen Sommer die Führung der islamistischen Organisation übernommen. Nach Einschätzung von Experten war al-Adel daran beteiligt, die Attentäter vom 11. September 2001 für ihren Einsatz auszubilden. Teheran wies die mutmaßlichen Verbindungen zum Iran als "lächerlich" zurück.
Der Sprecher des US-Außenministeriums sagte, eine Auswertung habe wie ein Bericht der Vereinten Nationen ergeben, dass al-Adel "der neue De-facto-Chef von Al-Kaida" ist. Der heute um die 60 Jahre alte al-Adel war früher Oberstleutnant der ägyptischen Spezialkräfte und hält sich seit 2002 oder 2003 im Iran auf.
Nach Angaben des früheren FBI-Ermittlers Ali Soufan stand er im Iran zunächst unter Hausarrest. Später habe der Ägypter vom Iran aus aber Reisen nach Pakistan unternommen. "Saif ist einer der erfahrensten professionellen Soldaten der weltweiten dschihadistischen Bewegung und sein Körper trägt die Spuren des Kampfes", schrieb Soufan 2021 über al-Adel. "Wenn er handelt, tut er es mit rücksichtsloser Effizienz."
Nach Einschätzungen des UN-Berichts wurde al-Adel aus zwei Gründen nicht offiziell zum "Emir" des Terrornetzwerkes ausgerufen: Zum einen sei die Angelegenheit delikat, weil die in Afghanistan herrschenden radikalislamischen Taliban nicht eingestehen wollten, dass Al-Kaida-Chef al-Sawahiri vergangenes Jahr von den USA in einem Haus in Kabul getötet wurde.
Zum anderen lebe al-Adel im Iran und damit in einem mehrheitlich schiitischen Land, wohingegen Al-Kaida eine sunnitische Gruppierung ist. Weiter hieß es in dem UN-Bericht, al-Adels Aufenthalt im Iran werfe Fragen auf hinsichtlich der "Ambitionen von Al-Kaida bei der Behauptung seiner Führung einer weltweiten Bewegung angesichts der Herausforderungen durch den IS", also die rivalisierende Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.
Der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian warf Washington die Veröffentlichung von "Fehlinformationen über den Al-Kaida-Chef" vor. Die Verbindung zu seinem Land bezeichnete er als "lächerlich". Die Gründer von Al-Kaida und der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat seien "für das Erstarken des Terrorismus auf der ganzen Welt verantwortlich", schrieb Amir-Abdollahian im Onlinedienst Twitter in Anspielung auf die USA.
Nach der Tötung von Osama bin Laden durch US-Spezialeinheiten im Mai 2011 in Pakistan hatte al-Sawahiri die Führung von Al-Kaida übernommen. Er galt als Kopf hinter den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA, bei denen fast 3000 Menschen getötet wurden. Im Sommer 2022 töteten die USA al-Sawahiri in Kabul durch eine Drohne.
P.A.Mendoza--AT