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Selenskyj muss Scholz bei Waffenlieferungen für Ukraine "ständig überzeugen"
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Verhältnis zu Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in der Frage von Waffenlieferungen als schwierig beschrieben. "Ich muss Druck machen, der Ukraine zu helfen", sagte Selenskyj in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem "Spiegel" unter Verweis auf die jüngste Debatte über die Lieferung deutscher Panzer. Er müsse Scholz "ständig überzeugen, dass diese Hilfe nicht für uns ist, sondern für die Europäer".
Denn Russlands Präsident Wladimir Putin sei "ein Drache, der fressen muss", sagte Selenskyj. "Um seinen Appetit zu stillen, gibst du ihm ein Land nach dem anderen, oder zumindest Stücke davon." Und Selenskyj fügte an: "Wenn die Russen erst mal an eurer Grenze stehen, werdet ihr das Leben eurer Leute opfern müssen. Deshalb ist das, was die Ukraine heute tut, für euer Land günstiger."
Scholz hatte Ende Januar nach monatelangem langem Zögern der Ukraine auch Leopard-2-Kampfpanzer aus Bundeswehr-Beständen zugesagt. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es nun, Kiew zusammen mit Partnerländern und Industrielieferungen rasch zwei Bataillone mit Leopard-Panzern zur Verfügung zu stellen. Dies sind gut 60 Panzer.
Das Verhältnis zu Deutschland beschrieb Selenskyj als "wellenförmig, es ist ein Auf und Ab". Zu Beginn sei es "sehr schwierig" für ihn gewesen. "Temperamente sind da recht unterschiedlich. Ich bin von Natur aus ein schneller Mensch. Andere sind langsamer, was auch an deren Bürokratie liegen mag."
"Auf einmal aber änderte sich diese konservative Haltung und ich erhielt Unterstützung vom Bundeskanzler", sagte Selenskyj. "Wir haben unsere Beziehungen und unser Verständnis verändert." Selenskyj zeigte sich "sehr dankbar" dafür, dass Deutschland im vergangenen Jahr das Flugabwehrraketensystem Iris-T geliefert habe. "Sie haben eine Menge Leben gerettet."
Als der Ukraine die Raketen ausgegangen seien, habe er sich an Scholz gewandt, obwohl er gewusst habe, dass Deutschland eigentlich keine Raketen mehr zur Verfügung habe. "Und ich weiß nicht, wie, aber er hat es tatsächlich geschafft, dass sie schneller produziert werden. Das war positiv."
"Nur jetzt sind wir mit dieser Debatte über die deutschen Panzer wieder in einer schwierigen Phase", sagte Selenskyj. "Das ist emotional und komplex." Letztlich gehe es immer um "eine politische Entscheidung, genau wie die Sanktionen. Panzerlieferungen bedeuten nur, dass wir alle gemeinsam gegen die russische Aggression sind. Und morgen werden es keine Panzer sein, es werden Flugzeuge sein oder irgendwas anderes."
N.Mitchell--AT