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Goldene Palme für Iraner Panahi in Cannes - erstmals deutsche Regisseurin ausgezeichnet
Die Goldene Palme für den heimlich gedrehten Film des Iraners Jafar Panahi, ein erster Preis für eine deutsche Regisseurin und ein Stromausfall, der dem großen Finale nichts anhaben konnte: Am Samstagabend ist in Cannes das Filmfestival zu Ende gegangen. Panahi gewann mit seinem hochpolitischen Film "Ein einfacher Unfall" den Hauptpreis - die Führung in Teheran reagierte mit Schweigen. Dei deutsche Regisseurin Mascha Schilinksi sicherte sich den Preis der Jury für ihren Film "In die Sonne schauen".
Panahis im Iran heimlich gedrehter Film handelt von fünf ehemaligen politischen Gefangenen, die ihrem mutmaßlichen Folterer begegnen. Für "Ein einfacher Unfall" ließ sich der 64-jährige von seinen eigenen zwei Haftaufenthalten im Iran inspirieren. Der hochpolitische und gleichzeitig ironische Film ist eine deutliche Kritik an den Verhältnissen in Pahinis Heimat.
Die iranischen Behörden hatten dem Regisseur lange die Ausreise aus dem Land verweigert. Bei der 78. Auflage des Festivals war Panahi dann zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder gelungen, persönlich in Cannes zu erscheinen. Die Goldene Palme wurde ihm am Samstag von Jury-Präsidentin Juliette Binoche und der Schauspielerin Cate Blanchett überreicht. In seiner Dankesrede rief er "alle Iraner mit all ihren unterschiedlichen Meinungen, wo immer sie sind in der Welt" auf: "Lasst uns alle Probleme, alle Differenzen beiseitelegen. Was jetzt am Wichtigsten ist, ist unser Land und die Freiheit unseres Landes."
"Am Ende macht der Film deutlich, dass es letztlich ein strukturelles Problem ist. Das Problem liegt bei der Regierung und nicht bei den Leuten, die im System gefangen sind", sagte der Regisseur im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Angst, in seine Heimat zurückzukehren habe er nicht. "Keine Spur. Wir fahren morgen", sagte er am Samstag in Cannes.
Sein Erfolg wurde von der Führung in Teheran am Sonntag nicht kommentiert. Die Nachrichtenagentur Fars schrieb, die Jury in Cannes habe eine Entscheidung gefällt, die "von den politischen Themen um Jafar Panahi im Iran nicht unbeeinflusst" gewesen sei.
In Deutschland gratulierte der Präsident der Filmförderungsanstalt, Bernd Neumann, Schilinski zu ihre "sensationellen Erfolg" für "In die Sonne schauen" (Sound of Falling). Die Berliner Filmemacherin und Drehbuchautorin ist die erste deutsche Regisseurin, die in Cannes ausgezeichnet wurde.
Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gratulierte Schilinski zum Preis der Jury für ihren Film, "der durch seine bildmächtige Erzählform und seine leise, aber eindringliche Kraft berührt". Es sei ein großartiger Erfolg für die Regisseurin "die ihre ganz eigene Filmsprache gefunden hat und nun auch international für Aufsehen sorgt", erklärte Weimer.
Schilinski nahm die Auszeichnung bei der Abschlussgala von der US-Schauspielerin Da'Vine Joy Randolph entgegen. Die 41-Jährige scherzte mit Verweis auf einen mehr als fünfstündigen Stromausfall in Südfrankreich am Samstag, sie habe "Schwierigkeiten gehabt, ihre Dankesrede zu schreiben". Während in der Region zwischenzeitig 160.000 Haushalte ohne Strom waren, war die Verleihung der Filmpreise am Abend den Festivalorganisatoren zufolge jedoch nie in Gefahr, da die Filmfestspiele über eine eigene Stromversorgung verfügten.
Schilinskis "In die Sonne schauen" spielt auf einem abgelegenen Hof in der ostdeutschen Altmark, auf dem sich die Lebensgeschichten von vier Frauen verschiedener Generationen kreuzen. "Wir wollten herausfinden, wie Traumata über Generationen hinweg unsere Körper prägen", sagte Schilinski. Die Idee zu dem Film sei ihr und der Ko-Autorin Louise Peter gekommen, als sie sich auf jenem verlassenen Hof in der Altmark aufhielten und dort ein historisches Foto von drei Frauen entdeckten, die dort gelebt hatten. Kinostart in Deutschland ist am 11. September.
Schilinski teilt sich den Preis der Jury mit dem spanischen Regisseur Oliver Laxe, der für das Roadmovie "Sirat" ausgezeichnet wurde, in dem ein Vater seine nach einer Rave-Party in Marokko verschwundene Tochter sucht.
Das Melodram "Sentimental Value" des dänisch-norwegischen Regisseurs Joachim Trier wurde mit dem Großen Preis, der zweitwichtigsten Ehrung in Cannes, ausgezeichnet. Das Familiendrama bekam bei seiner Premiere am Donnerstag einen 19-minütigen Applaus.
Der unter anderem als Favorit für die Goldene Palme gehandelte Polit-Thriller "The Secret Agent" des brasilianischen Regisseurs Kleber Mendonça Filho wurde zweifach ausgezeichnet. So gewannen der Hauptdarsteller Moura den Preis als bester Darsteller und Regisseur Mendonça Filho den Preis für die beste Regie.
K.Hill--AT