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Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit sieht sich von Epstein "manipuliert und getäuscht"
In ihrem ersten öffentlichen Interview seit Bekanntwerden ihrer jahrelangen freundschaftlichen Beziehungen zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit diesem "Manipulation und Täuschung" vorgeworfen. Es sei für sie sehr wichtig, sich der Tatsache zu stellen, dass sie Epsteins Vergangenheit nicht genauer hinterfragt habe "und dass ich in diesem Ausmaß manipuliert und getäuscht wurde", sagte Mette-Marit in dem am Freitag ausgestrahlten Gespräch mit dem Sender NRK.
In Ende Januar veröffentlichten Ermittlungsakten zum Fall Epstein taucht Mette-Marits Name mindestens tausend Mal auf. Inhalt und Tonfall eines von norwegischen Medien veröffentlichten E-Mail-Wechsels der beiden aus den Jahren 2011 bis 2014 deuten auf eine gewisse Vertrautheit zwischen der Kronprinzessin und dem Sexualverbrecher Epstein hin.
"Natürlich wünschte ich, ihn nie getroffen zu haben", sagte Mette-Marit nun in dem Interview über ihre Bekanntschaft mit Epstein. Spekulationen über die Art ihres Verhältnisses wies sie zurück: "Es war ein freundschaftliches Verhältnis. Er war vor allem ein Freund für mich. Wenn Sie wissen wollen, ob die Beziehung anderer Natur war - die Antwort ist Nein."
In einer von norwegischen Medien ausgegrabenen E-Mail hatte Mette-Marit 2011 an Epstein geschrieben, sie habe ihn gegoogelt. "Das hat keinen besonders guten Eindruck gemacht", schrieb sie dazu, flankiert von einem Smiley. Damals hatte Epstein bereits eine Haftstrafe hinter sich, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte.
Auf Epsteins Bemerkung, er wolle sich in Paris eine Ehefrau suchen, hatte Mette-Marit in einer weiteren E-Mail 2012 geantwortet, Paris sei "gut für einen Ehebruch", Skandinavierinnen ergäben dagegen bessere Ehefrauen. 2013 verbrachte sie gemeinsam mit einer Freundin vier Tage in einem Haus Epsteins in Palm Beach in Florida.
Zu dem vertrauten Tonfall der E-Mails sagte die Kronprinzessin in dem Fernsehinterview, es handele sich um "Kameradschaftlichkeit". Gleichzeitig empfinde sie es als "peinlich", dass diese Konversationen nun öffentlich geworden seien.
Während des Interviews saß Kronprinz Haakon an der Seite seiner Frau, die mehrmals mit den Tränen kämpfte. Die beiden sind seit 2001 verheiratet. Nach Mette-Marits Angaben beendete sie die Freundschaft mit Epstein nach mehreren Zwischenfällen, zu denen sie sich nicht weiter äußern wolle. Seine Frau habe sich nach einem dieser Zwischenfälle in Palm Beach "ein bisschen unsicher" gefühlt, sagte Haakon in dem Interview.
"Mir wurde klar, dass er ein schlechter Mensch war, mit dem man keinen Kontakt haben sollte", hieß es zudem in einer schriftlichen Version des Interviews mit Mette-Marit, die auf der NRK-Website veröffentlicht wurde. "Und ich konnte aus der Nähe sehen, wie er gegen andere Menschen Erpressung einsetzte."
"Ich bin es nicht, die zu bedauern ist", betonte Mette-Marit gegenüber NRK. "Es sind die Opfer dieser schweren Übergriffe, die Gerechtigkeit verdienen."
Es war das erste Mal, dass sich die Kronprinzessin in einem Interview zu ihren Epstein-Verwicklungen äußerte. Bisher hatte sie lediglich eine schriftliche Erklärung abgegeben, wonach sie ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter bereut.
Der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Störe zeigte sich in einer Reaktion auf das Interview zufrieden, dass Mette-Marit "Verantwortung dafür übernommen hat, dass sie Epsteins Hintergrund nicht gründlich überprüft hatte".
Die Enthüllungen über Mette-Marits Beziehungen zu Epstein lösten in Norwegen Zweifel an ihrer Eignung als künftige Königin aus. Zudem belastet ein Vergewaltigungsprozess gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Hoiby das norwegische Königshaus. Die Staatsanwaltschaft fordert gut siebeneinhalb Jahre Haft für Hoiby wegen Vergewaltigung von vier Frauen und Gewaltvorwürfen.
Im Zuge der Skandale ist die Beliebtheit des norwegischen Königshauses auf einen historischen Tiefstand gefallen. Nur 60 Prozent der Norwegerinnen und Norweger äußerten in einer aktuellen Umfrage eine positive Meinung über die königliche Familie. Nur knapp 29 Prozent der Befragten wollen die 52-Jährige als Königin sehen.
A.Anderson--AT