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IT-Systeme an Betrüger vermietet: Jahrelange Ermittlungen und Anklage in Bayern
Durch jahrelange Ermittlungsarbeit haben Ermittler aus Bayern ein mutmaßliches Dienstleisternetzwerk für kriminelle Anlagebetrüger aufgedeckt. Es geht um den Betrieb eines weltweit verfügbaren Mietsystems aus Telefon- und Computerinfrastruktur, wie die Polizei in Nürnberg am Dienstag mitteilte. Zwei verdächtige Chefs einer IT-Firma, zwei Israelis im Alter von 42 und 46 Jahren, sitzen demnach in Untersuchungshaft. Gegen den 46-Jährigen wurde Ende vergangenen Jahres bereits Anklage erhoben.
Nach Polizeiangaben vom Dienstag wurde der Mann auf Zypern festgenommen und vor fast einem Jahr ausgeliefert. Bereits seit etwa sechs Jahren laufen demnach komplexe Ermittlungen gegen das Netzwerk, diese sind nach wie vor nicht beendet. Es gebe weitere Verdächtige, hieß es am Dienstag. Ermittlungen würden "noch längere Zeit in Anspruch nehmen". Maßgeblich beteiligt ist demnach auch die auf Cyberkriminalität spezialisierte Zentralstelle der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.
Der kürzlich vor der Cyberwirtschaftskammer des Landgerichts angeklagte 46-jährige Beschuldigte soll gemeinsam mit dem in Albanien gefassten jüngeren Verdächtigen für ein Unternehmen gearbeitet haben, dass mehr als 30 betrügerische Internetseiten gegen Bezahlung mit der nötigen Software und der erforderlichen Server- sowie Telefoninfrastruktur versorgte. Betrieben wurde das Netz demnach aus Israel und aus der Ukraine.
Erste Hinweise auf die kriminellen Dienstleister ergaben sich demnach in den Jahren 2019/2020 durch eine Beschlagnahme von Servern eines betrügerischen Callcenters in der Ukraine. Eine Ermittlungskommission bei der Polizei in Nürnberg bündelte danach Erkenntnisse aus mehr 350 Verfahren gegen Anlagebetrüger, die Geschädigte über das Internet und per Telefon mit der Aussicht auf Gewinne beim Handel mit Wertpapieren oder auch Kryptowährungen zu vermeintlichen Investitionen verleiteten.
Allein der bei deutschen Opfer verursachte bekannte Gesamtschaden liegt den Angaben zufolge bei 34 Millionen Euro. Der dem bereits angeklagten Beschuldigten zurechenbare Schaden liege bei rund 28,6 Millionen Euro bei 235 Geschädigten, hieß es. Persönlich habe er mehr als 1,1 Millionen Euro erhalten. Der 42-jährige zweite Verdächtige befindet sich demnach noch in Albanien. Sein Auslieferungsverfahren ist noch nicht beendet.
N.Mitchell--AT