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Epstein-Skandal: Ex-US-Präsident Bill Clinton bestreitet Fehler
Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat erneut jede Verwicklung in den Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bestritten. "Ich habe nichts gesehen, und ich habe nichts falsch gemacht", sagte Clinton am Freitag bei einer Anhörung durch Kongressabgeordnete. Am Vortag hatte bereits seine Frau Hillary Clinton ausgesagt, sie habe nichts von Epsteins Verbrechen gewusst und diesen nie getroffen.
Bill Clinton betonte bei der Befragung nahe seinem Haus in Chappaqua im Bundesstaat New York, seine kurze Bekanntschaft mit Epstein sei schon Jahre vor Bekanntwerden von dessen Verbrechen zu Ende gegangen. Er wolle zur Wahrheitsfindung beitragen, denn niemand stehe über dem Gesetz - "vor allem Präsidenten" nicht, sagte Clinton laut seiner im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung.
Dies wurde als Seitenhieb auf Präsident Donald Trump verstanden, der wie Clinton zahlreiche Male in den zuletzt veröffentlichten Epstein-Akten auftaucht. Hillary Clinton hatte deshalb die Abgeordneten aufgerufen, auch Trump vorzuladen - was die Republikaner im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses jedoch ablehnen.
Der Ausschuss wollte mit der Befragung des früheren Präsidenten Clinton dessen Rolle in dem Skandal beleuchten. Viele Fotos aus den Epstein-Akten zeigen den Politiker von der Demokratischen Partei. Auf einem Bild liegt er in einem Whirlpool, auf einem anderen schwimmt er neben einer dunkelhaarigen Frau, womöglich Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell.
Der frühere Präsident gibt an, zu Beginn der 2000er Jahre mehrmals in Epsteins Privatflugzeug mitgereist zu sein. Dies sei jedoch im Zusammenhang mit der Arbeit für seine humanitäre Stiftung geschehen, betonte er. Der Ausschussvorsitzende James Comer sagte dagegen, Epstein habe unter Clinton 17-mal das Weiße Haus besucht. Bill Clinton sei zudem "mindestens 27-mal" mit dem Privatjet des Finanzberaters geflogen.
Clinton beteuerte bei seiner Befragung am Freitag, er hätte sich anders verhalten, wenn er von Epsteins Verbrechen gewusst hätte. Er begründete dies mit seiner eigenen Lebensgeschichte und seinem gewalttätigen und alkoholabhängigen Stiefvater: "Als jemand, der in einem Haushalt mit häuslicher Gewalt aufgewachsen ist, hätte ich nicht nur niemals sein (Epsteins) Flugzeug bestiegen, wenn ich auch nur die leiseste Ahnung davon gehabt hätte, was er tat - ich hätte ihn selbst angezeigt und den Ruf nach Rechenschaft für seine Verbrechen angeführt, nicht nach faulen Deals."
Clinton hatte während seiner Präsidentschaft wiederholt mit Affären zu kämpfen. Am bekanntesten ist seine sexuelle Beziehung zu der Praktikantin Monica Lewinsky, die Clinton nach massivem Druck Ende der 90er Jahre einräumte.
Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein früherer Präsident durch einen Kongressausschuss zu einer Befragung geladen wird. Die Clintons hatten sich zunächst gegen die Vorladung gewehrt und gaben erst nach, als die Republikaner mit einem Verfahren wegen Missachtung des Kongresses drohten. Die oppositionellen Demokraten sehen in der Vorladung der Clintons ein politisches Manöver, um von Trumps Verstrickung in den Epstein-Skandal abzulenken.
Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft musste er damals aber nur 13 Monate im Gefängnis absitzen.
Einen Monat, nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.
N.Mitchell--AT