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Nach Explosion an Versorgungskanal: Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Kosovo und Serbien
Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Kosovo und Serbien nach Explosion an Versorgungskanal für zwei wichtige Kraftwerke: Regierungschef Albin Kurti hat am Freitagabend von einem "terroristischen Angriff" gesprochen und "serbisch geführte Banden" dafür verantwortlich gemacht. Serbien verurteilte den Vorfall am Samstag als "inakzeptablen Sabotageakt" und wies die Anschuldigungen aus dem Nachbarland nachdrücklich zurück.
Der "kriminelle und terroristische Angriff" auf den Ibar-Lepenac-Kanal habe darauf abgezielt, die kritische Infrastruktur des Landes zu beschädigen, sagte Kurti am späten Freitagabend vor Journalisten. Der Angriff sei "professionell ausgeführt" worden, führte Kurti aus. "Wir glauben, dass von Serbien gelenkte Banden dahinter stecken." Beweise für die Anschuldigungen legte er zunächst nicht vor.
Die kosovarische Regierung gab später eine Erklärung ab, in der sie Kurtis Anschuldigungen wiederholte. "Erste Anzeichen" deuteten darauf hin, dass die Explosion "vom serbischen Staat inszeniert wurde, der in der Lage ist, einen solchen kriminellen und terroristischen Anschlag auszuführen", hieß es in de Erklärung. Überdies seien "zusätzliche Maßnahmen zur Verstärkung der Sicherheit in der Umgebung wichtiger Infrastrukturen und Dienstleistungen wie Brücken, Transformatoren" und anderen Orten beschlossen worden.
Durch die Explosion an dem wichtigen Kanal nahe des Ortes Zubin Potok im Nordkosovo wurde ein Versorgungskanal beschädigt, der die Kühlsysteme von zwei Kohlekraftwerken speist, die den größten Teil des Stroms im Kosovo liefern. Der Kanal dient zudem der Trinkwasserversorgung im Kosovo.
Der Kanal verläuft vom mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Kosovo bis in die Hauptstadt Pristina und liefert auch Trinkwasser. Auf in lokalen Medien veröffentlichten Bildern war zu sehen, wie Wasser aus einer Seite des Kanals austrat.
Kurti nannte zunächst keine Einzelheiten zum Ausmaß der Schäden, warnte aber vor Stromausfällen in Teilen des Landes, sollten die Schäden nicht rasch behoben werden.
Später teilte Wirtschaftsminister Artane Rizvanolli mit, dass die Stromversorgung am Samstagmorgen reibungslos verlaufe. Die Behörden hätten eine alternative Methode zur Kühlung der Kraftwerke gefunden. Die Reparaturarbeiten waren nach Behördenangaben im Gange.
Serbien verurteilte den Vorfall scharf. "Solche zerstörerischen Handlungen sind inakzeptabel", sagte Serbiens Außenminister Marko Djuric. Sie bedrohten "die fragile Stabilität, die wir aufrechtzuerhalten versuchen". "Wir rufen alle Parteien auf, Provokationen zu widerstehen und stattdessen auf Dialog, gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit zu setzen", fügte Djuric hinzu.
Den Vorwurf Pristinas, Belgrad stecke hinter dem Angriff, wies der Minister nachdrücklich zurück. Die Behauptung einer Verwicklung Serbiens nannte er "unbegründet" und eine "absichtliche Ablenkung". Er deutete an, dass nicht Belgrad, sondern die Regierung in Pristina an dem Vorfall "potenziell beteiligt" sein könnte.
Auch die wichtigste Partei der Serben im Kosovo, die Serbische Liste, verurteilte den Angriff "aufs Schärfste".
Zuvor hatte die US-Botschaft in Pristina von einem "Angriff auf die kritische Infrastruktur im Kosovo" gesprochen. "Wir beobachten die Lage sehr genau und haben der Regierung des Kosovo unsere volle Unterstützung zugesichert, dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen für diesen kriminellen Angriff identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte die Botschaft im Online-Netzwerk Facebook.
Im Nordkosovo kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu gewalttätigen Zwischenfällen. Bei dem jüngsten Vorfall Anfang der Woche warfen Angreifer Handgranaten auf ein städtisches Gebäude und eine Polizeiwache. Zu der schwersten Eskalation seit Jahren war es Ende September 2023 nach einem tödlichen Angriff eines paramilitärischen serbischen Kommandos auf eine kosovarische Polizei-Patrouille gekommen. Dabei überfielen rund 30 Bewaffnete eine kosovarische Polizei-Patrouille, ein Polizist wurde damals getötet.
Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Belgrad erkennt die Unabhängigkeit jedoch nicht an und betrachtet das Kosovo weiterhin als seine Provinz. Sowohl Serbien als auch das Kosovo gehören zu einer Gruppe von insgesamt sechs Ländern auf dem Westbalkan, die einen EU-Beitritt anstreben. Die EU verlangt von beiden Seiten, ein Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zu schließen.
M.O.Allen--AT