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Staatsanwalt: Pelicot-Prozess hat "Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen geändert"
Der Vergewaltigungsprozess von Avignon hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft "unsere Gesellschaft mit Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen tief erschüttert". Im Mittelpunkt des Prozesses stünden "unvorstellbar schlimme Taten", sagte Staatsanwalt Jean-François Mayet am Montag zum Auftakt seines Plädoyers. Ziel des Prozesses sei es daher auch, "die Beziehungen zwischen Männern und Frauen grundlegend zu ändern".
Gisèle Pelicot, die über Jahre von ihrem Mann und dutzenden anderen Männern vergewaltigt worden war, sagte bei ihrer Ankunft im Gericht am Montag, dass es für sie ein "bewegender Moment" sei. Der Staatsanwalt stellte individuelle Strafforderungen für alle 51 Angeklagten in Aussicht. "Die Taten und die Persönlichkeit jedes Angeklagten werden berücksichtigt", erklärte Mayet. "Dieser außergewöhnliche Prozess führt zu außergewöhnlichen Plädoyers", fügte er hinzu.
Die Plädoyers gegen den Hauptangeklagten Dominique Pelicot und die 50 Männer, die er über Jahre hinweg eingeladen hatte, seine bewusstlos gemachte Frau Gisèle zu vergewaltigen, sollen bis Mittwoch dauern. Ihnen drohen Höchststrafen von bis zu 20 Jahren Haft.
Der Staatsanwaltschaft würdigte den "Mut" des Hauptopfers Gisèle Pelicot und sprach ihr Anerkennung dafür aus, dass sie sich gegen einen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden hatte. Während des Prozesses waren auf ihren ausdrücklichen Wunsch auch ein Teil der etwa 20.000 Fotos und Videos gezeigt worden, die Dominique Pelicot von seinen Taten gemacht hatte. "Sie hatten recht, Frau Pelicot: Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie wichtig diese Öffentlichkeit war, damit die Scham die Seite wechselt".
Pelicot hat gestanden, seine Frau über zehn Jahre hinweg regelmäßig mit Schlafmitteln betäubt und teils allein, teils gemeinsam mit Fremden vergewaltigt zu haben. Die Ermittler gehen von 200 Vergewaltigungen aus. Seine Mitangeklagten hatte er in Internetforen kontaktiert. Sie konnten überführt werden, weil Pelicot Fotos und Videos gemacht und in digitale Verzeichnisse einsortiert hatte.
Von den 51 Angeklagten hatten 33 einen Antrag auf Anerkennung eines "beeinträchtigten Urteilsvermögens" gestellt. 35 von ihnen hatten die Vorwürfe einer Vergewaltigung zurückgewiesen, ungeachtet der Beweislast durch die Videos.
Als Reaktion auf den Fall hatten am Samstag in zahlreichen französischen Städten zehntausende Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert. In den Straßen von Avignon haben Feministinnen Slogans an die Wände geklebt, unter anderem "20 Jahre (Haft) für alle". Es ist ein Zufall und zugleich ein starkes Symbol, dass die Plädoyers im Pelicot-Prozes ausgerechnet am Internationalen Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen beginnen.
W.Nelson--AT