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Bahn-Sabotage vor Pariser Olympia-Eröffnung lässt zahlreiche Reisende stranden
Am Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris haben Sabotage-Akte an Glasfaserkabeln weite Teile des französischen Bahnverkehrs lahmgelegt. Hunderttausende Reisende waren betroffen, unter ihnen auch einige deutsche Olympiateilnehmer, die nicht rechtzeitig zur Eröffnungsfeier anreisen konnten. "Diese Operation wurde vorbereitet und koordiniert, es wurden neuralgische Punkte ins Visier genommen", sagte Premierminister Gabriel Attal am Freitag.
Er rief zur Vorsicht bei Spekulationen über das Profil der Täter auf. Zunächst bekannte sich niemand zu den Aktionen. Fest stehe, dass diese sich im französischen Bahnnetz gut auskennen müssten, um zu wissen, wo sie angreifen, fügte Attal hinzu. Der Premierminister, der derzeit nur geschäftsführend im Amt ist, hatte am Mittag das Krisenzentrum im Verkehrsministerium aufgesucht. Geheimdienste und Sicherheitskräfte seien mobilisiert, um die Täter zu finden, sagte er.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der zur Eröffnungsfeier nach Paris gereist war, verurteilte die "Angriffe auf Bahneinrichtungen". "So etwas ist absolut zu verurteilen. Ein solches Fest des Friedens mit Gewalttaten zu stören, kann niemals akzeptiert werden", betonte Scholz.
"Wir wussten ohnehin nicht, ob wir es machen können. Aber jetzt ist es definitiv zu spät", sagte Julian Schmidt aus dem deutschen BMX-Team dem Sport-Informations-Dienst SID, als er zusammen mit seinen Mannschaftskollegen mit fast zweistündiger Verspätung die Hauptstadt erreichte. Auch die Springreiter Christian Kukuk und Philipp Weishaupt verpassten die Feier, weil sie nur bis Belgien kamen.
Nach Angaben der französischen Bahn SNCF sind über das Wochenende insgesamt etwa 800.000 Fahrgäste betroffen. An mehreren Pariser Bahnhöfen harrten am Freitag zahlreiche Reisende stundenlang aus, um Informationen über ihre Verbindungen zu erhalten.
Am Bahnhof Montparnasse fuhr den gesamten Vormittag lang kein einziger Zug. Erst am Nachmittag wurden einige Züge wieder eingesetzt. Etwa ein Viertel der Eurostar-Verbindungen von Paris nach Brüssel, London und Deutschland fielen aus.
Nach Angaben der Bahn waren an drei Orten auf den wichtigsten TGV-Strecken Glasfaserkabel durch Brandstiftung zerstört worden. Betroffen waren die Strecken nach Lille im Norden, nach Straßburg im Osten und nach Bordeaux im Westen. Ein weiterer Sabotageakt auf der Südstrecke nach Marseille wurde verhindert.
Die Kabel sind für die Sicherheit der Züge und für Weichenstellungen wichtig. "Es wird eine mühsame Arbeit sein, die Kabel zu reparieren", sagte SNCF-Netzchef Matthieu Chabanel.
Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Schädigung von Staatsinteressen auf. Es bestehe zudem der Verdacht auf Sachbeschädigung mit gefährlichen Mitteln sowie Angriffe auf Datenverarbeitungssysteme. Im Fall einer Verurteilung drohen den Tätern lange Haftstrafen.
Ähnliche Sabotage-Akte hatte es bereits in der Vergangenheit gegeben. Während der Rentenproteste im Januar 2023 hatten Unbekannte ebenfalls durch Brandstiftung Kabel beschädigt, was zu zahlreichen Zugausfällen führte. In Deutschland hatten sich Linksradikale im vergangenen September zu ähnlichen Aktionen bekannt, um gegen "neokoloniale Ausbeutung" zu protestieren.
SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou sprach von einem "traurigen Tag". "Es ist ein Anschlag auf die Urlaubsreisen, auf die Franzosen", sagte er mit Blick auf den Termin drei Wochen nach Beginn der Sommerferien, an dem mit starkem Ferienverkehr zu rechnen war. Eine "Bande von Spinnern" habe diesen verübt. Tausende von SNCF-Mitarbeitern seien im Einsatz, um die Schäden zu reparieren. "Heute hätte ein großes Fest sein sollen, die Urlaubsreisen, die Eröffnung der Olympischen Spielen (...), all das ist nun dahin", erklärte er.
Die Bahn rief dazu auf, für den Freitag geplante Reisen nicht anzutreten. Die Fahrkarten würden zurückerstattet. Der Bahnverkehr werde das ganze Wochenende über beeinträchtigt sein, hieß es weiter.
Davon dürften auch Besucher der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele betroffen sein, die im Laufe des Tages mit der Bahn anreisen wollten. Auch manche Olympiateilnehmer müssen umplanen. So wollte etwa das US-Basketballteam der Herren per Bahn nach Lille reisen wollen, um am Sonntag dort auf Serbien zu treffen.
In Paris findet am Abend die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele statt, zu der 326.000 Zuschauer erwartet werden, unter ihnen auch rund hundert Staats- und Regierungschefs.
A.Williams--AT