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Hoffnung auf Überlebende schwindet nach Schiffsunglück vor Griechenland weiter
Zwei Tage nach dem Untergang eines Flüchtlingsboots mit möglicherweise hunderten Menschen an Bord vor der Küste Griechenlands ist die Hoffnung auf Überlebende weiter geschwunden. Die griechische Küstenwache suchte am Freitag nach offiziellen Angaben weiterhin das Meer rund um den Unglücksort ab. Die Hoffnung auf Überlebende sinke jedoch "von Minute zu Minute", sagte Stella Nanou vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) der Nachrichtenagentur AFP. Angehörige und Aktivisten erklärten gegenüber AFP unterdessen, dass sich an Bord des Schiffes unter anderem mehr als 120 Syrer befanden.
Das überladene Fischerboot war nach Angaben der griechischen Behörden am Mittwochmorgen vor der Halbinsel Peloponnes an einer der tiefsten Stellen des Mittelmeers gekentert, nachdem zuvor der Motor ausgefallen war. 78 Leichen wurden nach Angaben der Küstenwache bis Donnerstagabend geborgen, die Zahl der Todesopfer dürfte jedoch erheblich höher sein.
UNHCR-Sprecherin Nanou sprach unter Berufung auf von den Behörden verbreitete Bilder und Aussagen von "hunderten Menschen", die an Bord gewesen sein sollen. Überlebende hatten zuvor berichtet, dass sich allein rund hundert Kinder im Laderaum des Schiffes aufgehalten hätten.
104 Menschen konnten nach offiziellen Angaben gerettet und in den Hafen von Kalamata gebracht werden: 47 Syrer, 43 Ägypter, zwölf Pakistaner und zwei Palästinenser. Alle Geretteten waren Männer. 27 davon wurden am Freitag weiter im Krankenhaus behandelt.
An Bord des Boots befanden sich nach Angaben von Angehörigen und Aktivisten unter anderem mehr als 120 Syrer. Allein aus der südsyrischen Provinz Deraa stammten nach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP getätigten Aussagen 55 vermisste und 35 gerettete Insassen. 35 weitere Menschen auf dem Boot waren nach Angaben des Bruders eines Vermissten syrische Kurden aus der Nahe der türkischen Grenze gelegenen Stadt Kobane.
Der Umgang der griechischen Behörden mit dem Fischerboot geriet unterdessen von mehreren Seiten unter Kritik: Die griechische Küstenwache hatte nach dem Unglück am Mittwoch erklärt, sie sei von den Behörden Italiens auf das mit zahlreichen Menschen besetzte Boot aufmerksam gemacht worden, ein Fluggerät von Frontex habe es zuerst entdeckt. Es habe aber seitens der Bootsbesatzung keine Hilfsanfrage gegeben, nach der Kontaktaufnahme seitens Griechenlands habe diese sogar mehrfach Hilfe abgelehnt und betont, das Boot wolle nach Italien weiterfahren.
Vincent Cochetel, Sondergesandter des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) für den zentralen und westlichen Mittelmeerraum erklärte am Freitag, die Argumente Athens dafür, dass dem in Seenot befindlichen Fischerboot nicht sofort geholfen worden sei, seien "nicht haltbar". Nach dem Völkerrecht hätte Griechenland den Rettungseinsatz für das "zum Bersten gefüllte" Boot "früher organisieren müssen", sobald die Grenzschutzagentur Frontex dessen Notlage gemeldet hatte.
Das UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderten in einer gemeinsamen Erklärung ein "dringendes und wirksames Vorgehen", um weitere Todesfälle auf See zu verhindern. Federico Soda, Chef der IOM-Notfallabteilung, erklärte, in der Migrationspolitik sei "offensichtlich" der "derzeitige Umgang mit dem Mittelmeer nicht praktikabel". UNHCR-Vizechefin Gillian Triggs verwies die EU auf ihre Verantwortung, "Sicherheit und Solidarität" in den Mittelpunkt ihres Handelns im Mittelmeer zu stellen.
Der Leiter der Europaabteilung der Nichtregierungsorganisation Pro Asyl, Karl Kopp, sprach mit Blick auf das Bootsunglück sogar von "orchestrierter Sterbebegleitung". Sowohl griechische Behörden als auch Frontex hätten von dem "völlig überladenen" Boot gewusst und sofort eingreifen müssen.
R.Garcia--AT