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Eltern von in Frankreich schwerverletztem Demonstranten klagen wegen "Mordversuchs"
Das verspätete Eintreffen des Rettungsdienstes bei einem schwer verletzten Demonstranten im westfranzösischen Sainte-Soline hat ein juristisches Nachspiel. Die Eltern des noch immer in Lebensgefahr schwebenden 32-Jährigen haben Klage wegen Unbekannt wegen "versuchten Mordes und unterlassener Hilfeleistung" eingereicht, wie die Staatsanwaltschaft in Rennes am Mittwoch mitteilte. Nach ihrer Darstellung war ihr Sohn durch eine Tränengasgranate am Kopf getroffen worden.
"Wir hoffen, dass er aus dem Koma aufwacht und keine schlimmen Folgen davonträgt", hatte seine Familie am Vortag gesagt. Sie sei entschlossen, "aufzuklären, was genau passiert ist". Die Staatsanwaltschaft von Niort, die zunächst damit befasst war, hatte mitgeteilt, dass die Ursache der Verletzung nicht geklärt sei.
Unterdessen haben "Le Monde" und "Mediapart" ein Gesprächsprotokoll veröffentlicht, das den Vorwurf zu belegen scheint, die Sicherheitskräfte hätten den Sanitätern den Zugang zu dem Schwerverletzten untersagt und so für eine stundenlange Verzögerung gesorgt.
Der Vorfall ereignete sich am Samstag bei einer Demonstration gegen ein umstrittenes Wasservorhaben in Sainte-Soline. Nach Angaben des Innenministeriums waren dort etwa 1000 gewaltbereite Demonstranten angereist. Die 3200 Sicherheitskräfte setzten ihrerseits massiv Gewalt ein und feuerten insgesamt 4000 Tränengas- und Schockgranaten.
Ein Team der Menschenrechtsliga hatte laut dem Gesprächsprotokoll siebeneinhalb Minuten lang mit den Rettungsdiensten verhandelt, um einen Krankenwagen für den Schwerverletzten zu bekommen. "Wir werden weder Hubschrauber noch Krankenwagen schicken, weil die Sicherheitskräfte uns das so befohlen haben", sagte ein Vertreter des Rettungsdienstes. "Wir dürfen keine Hilfe vor Ort schicken, weil die Lage als gefährlich gilt", fügte er hinzu.
Der Vertreter der Menschenrechtsliga und eine Anwältin wiesen in dem Gespräch mehrfach darauf hin, dass sich die Lage seit einer halben Stunde beruhigt habe und dass dies als unterlassene Hilfeleistung gelten könne. "Man bittet uns, Material zu bestimmten Sammelpunkten zu schicken, mehr können wir nicht tun", lautete die Antwort.
Nach einem Bericht der Präfektur wurde der erste Anruf, der auf einen bewusstlosen Mann mit einer Kopfverletzung aufmerksam machte, um 13.49 Uhr aufgezeichnet. Es vergingen gut zweieinhalb Stunden, bis er von einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht wurde.
In Sainte-Soline soll ein Wasserreservoir entstehen, für das Grundwasser abgepumpt werden soll. Es soll im Sommer zur Bewässerung der Felder genutzt werden. Umweltschützer weisen darauf hin, dass das Grundwasser infolge der seit vergangenem Sommer anhaltenden Dürre ohnehin schon knapp ist. Ein großer Teil des Wassers werde verdunsten, zudem könnten sich Bakterien entwickeln, betonen die Kritiker.
W.Morales--AT