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Nach Erdbeben in der Türkei und Syrien drängt die Zeit für Rettungseinsätze
Am zweiten Tag nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet drängt die Zeit, weitere Helfer in das Katastrophengebiet zu bringen. Es würden weitere Such- und Rettungskräfte benötigt, "bevor sich das Rettungsfenster schließt", sagte der türkische Botschafter in Berlin, Ahmet Basar Sen, am Mittwoch. Mehrere deutsche Hilfsorganisationen weiteten ihre Einsätze aus. Die Zahl der bestätigten Todesopfer in der Türkei und Syrien stieg derweil auf mehr als 11.200.
Der türkische Botschafter bezeichnete das Erdbeben vom Montag im ZDF als "Jahrtausendkatastrophe". In einem Gebiet so groß wie die Benelux-Staaten und Slowenien gebe es "enorme Schäden", sagte Sen auf Phoenix. Nun würden zunächst weitere Such- und Rettungskräfte gebraucht, um in den nächsten zwei, drei Tagen Verschüttete zu bergen, "bevor sich das Rettungsfenster schließt".
Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte das türkisch-syrische Grenzgebiet am frühen Montagmorgen erschüttert. Nach Angaben von Behörden und Rettungskräften wurden seitdem mehr als 11.200 Todesopfer gefunden, davon allein 8574 in der Türkei. Und die Opferzahl dürfte noch stark steigen, etliche Menschen waren bei eisigen Temperaturen noch verschüttet.
Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte bei einem Besuch der stark zerstörten Stadt Kahramanmaras, bislang seien 50.000 Verletzte versorgt worden. Auf syrischer Seite war von rund 5000 Verletzten die Rede. "Wir hatten anfangs Schwierigkeiten mit den Flughäfen und auf den Straßen, aber heute geht es besser und morgen wird es noch besser gehen", versicherte Erdogan angesichts der Wut vieler Menschen wegen der schleppend angelaufenen Hilfe.
Laut dem Bericht von AFP-Korrespondenten blieben im Katastrophengebiet auch die zweite Nacht in Folge viele Menschen auf der Straße - teils aus Angst vor Nachbeben und teils, weil sie keine Häuser mehr und auch keine Notunterkünfte hatten. Manche entzündeten Feuer aus herumliegenden Holzteilen, um sich zu wärmen.
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis zu 23 Millionen Menschen von den Folgen des Bebens betroffen sein. In den ersten Tagen hatten gesperrte Flughäfen und verschneite Straßen die Ankunft von Rettungsmannschaften und Hilfslieferungen verzögert.
In Syrien kommt die politisch heikle Lage hinzu. Die Regierung des Bürgerkriegslandes unter Machthaber Baschar al-Assad wird vom Westen geächtet und mit Sanktionen belegt. Außerdem ist das Katastrophengebiet in von Damaskus kontrollierte Gebiete und Territorien unter der Kontrolle von Rebellen geteilt. Auf Betreiben von Damaskus und Moskau ist seit Jahren nur noch der Grenzübergang Bab al-Hawa für Hilfslieferungen nach Syrien geöffnet.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) forderte am Mittwoch Zugang zu den Katastrophengebieten auch in Syrien. "Jetzt zeigt sich wieder einmal, wie lebenswichtig dieser grenzüberschreitende Zugang ist, für den wir uns seit Jahren einsetzen", sagte Scholz im Bundestag. Dort gedachten die Abgeordneten mit einer Schweigeminute der Erdbebenopfer.
Linken-Chefin Janine Wissler, die bereits vor dem Beben in die Türkei gereist war, sagte der Nachrichtenagentur AFP, bislang seien immer noch "nicht alle Orte durch Rettungskräfte erreicht worden". "Syrien und die Türkei müssen die Grenze öffnen, um grenzüberschreitende Hilfe zu ermöglichen", forderte sie.
Die Europäische Union erhielt derweil eine offizielle Hilfsanfrage von der syrischen Regierung. Die EU-Kommission teile die Anfrage bezüglich einer Unterstützung durch den EU-Zivilschutz-Mechanismus mit den Mitgliedstaaten und ermutige sie, die erbetene Hilfe zu leisten, sagte der für den Krisenschutz zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic in Brüssel. In die Türkei hat die EU bereits Rettungsteams entsendet und dafür ihren Zivilschutz-Mechanismus aktiviert.
Die Koordination der deutschen staatlichen Hilfe hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernommen. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW), der Bundespolizei und der Hilfsorganisation Isar Germany seien bereits im Einsatz, teilte das BBK mit.
Die Hilfsorganisation Caritas international weitete ihre Hilfe für die Erdbebenopfer aus. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit für unsere türkischen und syrischen Helfer", begründete ihr Chef Oliver Müller die Bereitstellung von einer Million Euro Nothilfe. Die Diakonie Katastrophenhilfe begann mit Partnerorganisationen, Matratzen, Winterkleidung, Decken und Trinkwasser an Erdbebenopfer zu verteilen.
O.Gutierrez--AT