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Höhere Entgelte ab 2027: Tarifeinigung in der Chemie- und Pharmaindustrie erzielt
Für die rund 585.000 Beschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie haben Arbeitgeber und Gewerkschaft eine Einigung erzielt. Neben höheren Entgelten ab dem kommenden Jahr ist darin auch ein Beitrag der Arbeitgeber zur Beschäftigungssicherung vorgesehen, wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) am Mittwoch mitteilten. Die Einigung erfolgte nach zweitägigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig, der bereits dritten Runde der Tarifverhandlungen.
Zuvor hatte es in neun regionalen und zwei bundesweit zentralen Verhandlungsrunden kein Ergebnis gegeben. Ende Februar war der vorherige Tarifvertrag ausgelaufen, der neue hat nun eine Laufzeit bis Mai 2028.
"Für diesen Krisen-Abschluss sind wir bis an die Schmerzgrenze gegangen", erklärte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch den Beschäftigten zugesetzt und durch den Iran-Krieg habe sich die Lage für beide Seiten nochmals zugespitzt. "In solch einer vertrackten Ausgangslage eine Einigung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird, war eine große Herausforderung."
Der Tarifabschluss zeige, "dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam Verantwortung übernehmen", erklärte BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. Den Unternehmen bringe der Tarifabschluss eine "dringend benötigte Entlastung", hob zudem BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk hervor. "Dauerhaft mehr zahlen die Arbeitgeber erst ab 2027 - und das zu krisengerechten Konditionen." Außerdem gebe die lange Laufzeit den Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit.
Konkret sieht die Einigung vor, dass es für die Beschäftigten ab 1. Januar 2027 eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent gibt, ab 1. Januar 2028 dann um weitere 2,4 Prozent. Zudem zahlen die Arbeitgeber bereits in diesem Jahr zusätzliche 300 Euro je Beschäftigtem in einen Fonds ein, dessen Mittel nach BAVC-Angaben "ab sofort auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung" eingesetzt werden können, wie beispielsweise Weiterbildungen oder Coachings. Im kommenden Jahr sollen dann ebenfalls 300 Euro pro Kopf fließen.
Bisher zahlen die Arbeitgeber dem BAVC zufolge jährlich bereits 750 Euro je Vollzeitbeschäftigtem in den seit 2010 bestehenden Fonds ein, wobei die Mittel bislang vor allem für die betriebliche Altersversorgung und Langzeitkonten eingesetzt werden. Die IGBCE erklärte, mit dem neuen Beschäftigungssicherungsbeitrag würden nun "neue Wege auf dem Feld der Jobsicherung" beschritten. Über die Laufzeit stelle die Branche insgesamt mehr als 350 Millionen Euro für Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung von gefährdeten Arbeitsplätzen zur Verfügung.
"Kein tarifgebundener Betrieb kann sich künftig mehr herausreden, es gebe keine Alternative zum Stellenabbau", erklärte IGBCE-Verhandlungsführer und -Tarifvorstand Oliver Heinrich. Zudem wies er darauf hin, dass Betriebe, denen es wirtschaftlich gut geht, die Tariferhöhungen der Einigung zufolge um jeweils drei Monate vorziehen können. "In der Branche gibt es genug Betriebe, die glänzend verdienen", erklärte er. "Wir werden in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass sie ihrer Verantwortung der Belegschaft gegenüber gerecht werden."
A.Moore--AT