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Studie: Rassismus und Diskriminierung bleiben in Deutschland weit verbreitet
Rassismus und Diskriminierung sind in Deutschland weit verbreitet. Das ist das zentrale Ergebnis des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (Nadira), der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Erfasst wurden dabei neben Umfrageergebnissen auch Berichte über direkte oder indirekte - also gehörte oder beobachtete - Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen. Registriert wurde ein leichter Rückgang, der aber das Lagebild nicht grundsätzlich ändere.
Dem Monitor zufolge sind 36 Prozent der Menschen in Deutschland der Ansicht, es gebe "verschiedene menschliche Rassen". 36 Prozent der Befragten sind der Auffassung, bestimmte Kulturen seien "fortschrittlicher und besser" als andere. 48 Prozent äußerten, gewisse Gruppen seien "von Natur aus fleißiger" als andere. Damit blieben "biologistisch begründete Formen rassistischer Hierarchisierung" weit verbreitet, obwohl diese wissenschaftlich widerlegt sind. Allerdings würden statt "Rasse" vermehrt andere Ausdrücke wie "Kulturen" oder "Gruppen" verwendet.
Rassistische oder diskriminierende Erfahrungen gehören für viele Menschen in Deutschland laut dem Monitor zum Alltag. Dies gelte besonders für "rassistisch markierte Personen", also Menschen, die aufgrund bestimmter äußerlicher Merkmale als "fremd" oder "anders" wahrgenommen werden. Genannt wurden hier vor allem Menschen anderer Hautfarbe oder als solche erkennbare Musliminnen und Muslime. Antisemitische Diskriminierung wurde nicht separat erfasst.
Laut der Studie berichteten 25 Prozent der Schwarzen und 17 Prozent der muslimischen Menschen, mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen zu werden. Jeweils etwa ein Drittel von ihnen berichtete von solchen Erlebnissen in den zurückliegenden zwölf Monaten. 63 Prozent der Schwarzen gaben an, mindestens monatlich subtilere diskriminierende Erfahrungen zu machen, beispielsweise unfreundliche Behandlung oder Missachtung. Bei nicht rassistisch markierten Menschen waren dies nur 26 Prozent.
Angemerkt wurde, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen in "rassistisch markierten" Gruppen deutlich zurückgegangen ist, bei muslimischen Menschen beispielsweise um bis zu 27 Prozentpunkte. Besonders gering ist das Vertrauen bei Menschen mit eigenen Diskriminierungserfahrungen, aber auch solchen mit indirekten Erfahrungen. Das Vertrauen in Polizei und Justiz ist insgesamt höher als in Bundesregierung oder Politikerinnen und Politiker.
Insgesamt gebe es bei Diskriminierung und Rassismus eine "sehr hartnäckige Verfestigung", sagte der Direktor des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Frank Kalter. Unverändert seien "Mythen über vermeintlich biologisch unterscheidbare Merkmale weiterhin verbreitet", ebenso über die Existenz verschiedener Rassen, "obwohl dies wissenschaftlich längst widerlegt ist", sagte der Ko-Autor der Studie, Tae Jun Kim.
Die Verwendung unverfänglicherer Begriffe sei dabei häufig "nur eine höflichere Form, um eine Über- und Unterordnung von Gruppen zu rechtfertigen", fügte Kim hinzu. "Rassismus ist kein Rand- oder Nischenthema", mahnte er. "Er lässt sich weder wegrelativieren noch ignorieren."
"Rassistische Denkmuster sind weiterhin weit verbreitet", warnte auch die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman. Als Konsequenz forderte sie eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Dieses müsse so ausgestaltet werden, dass Betroffene sich besser gegen Diskriminierung wehren könnten. Zudem verlangte Ataman flächendeckende Hilfsangebote, mehr Sensibilisierung im Bildungssystem und in Unternehmen sowie "eine Bundesregierung, die klare Kante zeigt und das Thema anfasst".
Kritik übten sowohl Ataman als auch Kalter daran, dass die im Februar bekannt gewordene Studie über Rassismus in Behörden und Institutionen durch das Bundesinnenministerium zwar auf dessen Internetseite gestellt, jedoch nicht aktiv vorgestellt wurde. Es sei wichtig, "dass eine Regierung mit solchen Studien selbstbewusst umgeht", sagte Ataman.
Ein Ergebnis dieser Studie war, dass rassistische Diskriminierung in Behörden und Institutionen weit verbreitet ist - ähnlich wie auch in der Bevölkerung insgesamt. Ataman verwies aber auf eine notwendige Vorbildfunktion staatlicher Institutionen.
S.Jackson--AT