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"Fabriken des 21. Jahrhunderts": Bundesregierung will deutlich mehr Rechenzentren
Doppelt soviel Rechenzentrumskapazität bis 2030: Die Bundesregierung will den Ausbau von Rechenzentren in Deutschland deutlich beschleunigen. Das Bundeskabinett verabschiedete dafür am Mittwoch die vom Bundesdigital- und Bundeswirtschaftsministerium entwickelte Rechenzentrumsstrategie. Im Wesentlichen sollen die Standortbedingungen für private Investitionen in dem Bereich verbessert werden. Ein wichtiger Knackpunkt sind die in Deutschland vergleichsweise hohen Stromkosten.
"Rechenzentren sind ganz einfach gesagt die Fabriken des 21. Jahrhunderts", sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). "Damit werden zunehmend immer mehr Prozesse auch des wirtschaftlichen Lebens gesteuert: von KI-unterstützten Diagnosen im Medizinbereich, Fernwartung und Steuerung von Industrieanlagen, autonome Logistik etc." Speziell die Kapazität von Rechenzentren, die auf Hochleistungsrechnen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) ausgelegt sind, soll sich demnach vervierfachen.
Die Förderung des Baus von Rechenzentren sei weit mehr als Digitalpolitik, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Zugleich gehe es um Industrie- und Energiepolitik sowie um Infrastruktur- und Sicherheitspolitik. "Wenn im 19. Jahrhundert der Zugang zu Kohle den Wohlstand garantiert hat, ist es im 21. Jahrhundert der Zugang zu Rechenleistung, zu Energie und zu künstlicher Intelligenz", betonte sie.
Die Strategie sieht 28 Maßnahmen vor, um Investitionen in den Bau von Rechenzentren zu mobilisieren. So sollen die Zentren künftig schneller ans Stromnetz angeschlossen werden. Ein weiteres Beispiel ist die Festlegung, dass Gewerbesteuern künftig dort anfallen sollen, wo das Rechenzentrum steht, und nicht dort, wo das betreibende Unternehmen ansässig ist. Zudem sollen etwa Planung und Genehmigungen neuer Rechenzentren deutlich vereinfacht werden.
"Unsere Strategie ist der klare Fahrplan dafür: Genügend Flächen, bezahlbarer, sicherer Strom und schnelle Genehmigungen", erklärte der Digitalminister. Die Maßnahmen sollen laut Strategie "innerhalb der nächsten zwölf Monate gestartet und soweit möglich und sachgerecht abgeschlossen werden". Dabei will die Bundesregierung eng mit den Bundesländern und Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und auch Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.
Mit der Verbreitung von Cloud-Computing und - in noch deutlich stärkerem Ausmaß - von Künstlicher Intelligenz steigt der Bedarf an Rechenleistung massiv. Zugleich gibt es aus Sicherheitsgründen das Interesse daran, Daten in Deutschland speichern und verarbeiten zu können und nicht auf Server im Ausland angewiesen zu sein. Allerdings brauchen Rechenzentren große Mengen an Strom - der in Deutschland im internationalen Vergleich teuer ist.
Wirtschaftsministerin Reiche stellte weitere Schritte in Aussicht, um die Stromkosten zu senken. Wildberger betonte jedoch, dass das Preisniveau in Deutschland dem Bau von Rechenzentren nicht unbedingt entgegenstehe: Bereits heute verfüge Deutschland über die meiste Rechenleistung in Europa, schlicht, weil die Nachfrage hierzulande ebenfalls sehr hoch sei. Auch seien deutsche Unternehmen im Bereich Energieeffizienz Spitze.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte die Notwendigkeit nachhaltiger Rechenzentren. Die KI-Fabriken sollten "dort gebaut werden, wo es genug Wasser und genug erneuerbare Energien gibt", erklärte er. Zudem sollten sie ihre Abwärme kostenlos ins Wärmenetz abgeben, "damit die Anwohner günstiger heizen können".
Die Grünen kritisierten die Strategie der Regierung und warnten vor einem "ungesteuerten und rein investorengetriebenen Ausbau". Der Staat müsse stärker steuern. "Statt planlosem Aktionismus sollte gelten: Gebaut wird, was tatsächlich gebraucht wird."
Der Digitalverband Bitkom lobte, dass die Bundesregierung das Thema Rechenzentren zur Priorität erklärt habe. "Sie erkennt damit die herausragende Bedeutung von Rechenzentren für einen wettbewerbsfähigen Digital- und KI-Standort an", erklärte Bitkom-Chef Ralf Wintergerst. Die Strategie von Reiche und Wildberger bleibe "allerdings zu oft im Vagen und belässt es häufig bei allgemeinen Absichtserklärungen".
O.Brown--AT