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Studie: Rund ein Drittel der EU-Bürger in Deutschland denkt an Abwanderung
Gut ein Drittel der in Deutschland lebenden EU-Bürgerinnen und -Bürger denkt über einen Fortzug nach - vor allem wegen hoher Lebenshaltungskosten und weil sie sich hier nicht wohlfühlen. Das ergab eine Studie im Auftrag der Migrations- und Integrationsbeauftragten der Regierung, Natalie Pawlik, die am Dienstag die Ergebnisse vorstellte. Die Untersuchung verdeutliche, dass die EU-Bürger zwar hierzulande rechtlich gleichgestellt seien, jedoch in der Realität häufig auf "Sprachbarrieren, Hürden beim Arbeitsmarktzugang und Diskriminierung" stießen, erklärte Pawlik.
Laut Studie, die sich neben eigenen Befragungen auf zuletzt verfügbare statistische Angaben stützt, gab es Stand Ende 2023 in Deutschland rund 5,1 Millionen Menschen mit einer Staatsangehörigkeit aus einem anderen EU-Land in Deutschland. Damit hat sich die Anzahl seit Ende 2010 fast verdoppelt. Bei der Staatsangehörigkeit lagen die Länder Rumänien und Polen vorne, gefolgt von Italien, Bulgarien und Kroatien.
Hauptgründe für die Migration sind bei denen, die ab 2010 zugewandert sind, die Arbeitssuche oder eine bereits gefundene Stelle in Deutschland (48,5 Prozent) sowie eine Familienzusammenführung, etwa von Eheleuten (28,8 Prozent). Nach zuletzt verfügbaren Daten waren 2,7 Millionen EU-Bürgerinnen und EU-Bürger in Deutschland erwerbstätig.
Über ein Drittel der befragten EU-Bürgerinnen und EU-Bürger (35 Prozent) denkt hingegen über einen Fortzug nach, wie die Studie ergab - von ihnen unternahmen 13 Prozent bereits erste Vorbereitungen zur Abwanderung. Als zentrale Gründe wurden die Wohn- und Lebenshaltungskosten in Deutschland genannt (42 Prozent beziehungsweise 36 Prozent), aber auch, dass sich die Menschen in Deutschland nicht wohlfühlen (knapp 39 Prozent). Diskriminierungserfahrungen werden von knapp 15 Prozent genannt - bei den Menschen aus Südeuropa kam das mit 28 Prozent aber deutlich häufiger vor.
"Wer nach Deutschland kommt, arbeitet und unsere Gesellschaft mitgestaltet, hat das Recht auf echte Teilhabe", forderte Pawlik. "Wir brauchen besseren Zugang zu Sprachkursen, konsequenten Schutz vor Arbeitsausbeutung und null Toleranz für Diskriminierung." Deutschland könne es sich nicht leisten, ein Drittel der EU-Bürgerinnen und -Bürger "durch schlechte Bedingungen wieder zu verlieren". Nachholbedarf bestehe auch bei der Anerkennung der Qualifikation der Zugewanderten.
Grundlage der Studie waren neben den Datenanalysen auch qualitative Experteninterviews sowie eine Onlinebefragung von 1000 EU-Bürgerinnen und -Bürgern. Der Erhebungszeitraum erstreckt sich von März 2024 bis Oktober 2025.
F.Wilson--AT