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Öl- und Gaspreise steigen wegen Iran-Kriegs stark - Aktienkurse auf Talfahrt
Der Iran-Krieg hat für einen sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise und allgemein sinkende Aktienkurse gesorgt. In Europa legte der Börsenpreis für Erdgas zunächst um mehr als 20 Prozent zu und stieg steil weiter, als Katar am Montag seine Flüssigerdgasproduktion aussetzte. Mittelfristige Rohöllieferungen verteuerten sich an den Weltmärkten um rund acht Prozent. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges dürften Analysten zufolge überschaubar bleiben, sollte die Gewalt bald abflauen. Eine weitere Eskalation und ein langer Konflikt hätten jedoch massive Auswirkungen.
Der Ölpreis stieg am Montagmorgen zeitweise auf über 80 Dollar pro Barrel. Analysten halten Preise von über 100 Dollar pro Barrel im Fall eines längeren Konflikts für denkbar. In Deutschland schossen an den Tankstellen bereits die Preise nach oben, vielerorts bildeten sich Schlangen, weil Verbraucher weiter steigende Preise erwarten.
Der Iran kontrolliert die für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert - auch ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) wird über Hormus abgewickelt. Katar ist der wichtigste LNG-Produzent.
Die staatliche Energiefirma des Golfstaates kündigte am Montagmittag einen LNG-Produktionsstopp an, nachdem iranische Angriffe zwei ihrer Standort getroffen hätten. Die Bundesregierung versicherte, auf die Versorgungssicherheit habe die aktuelle Lage zunächst keinen Einfluss, da Deutschland bislang kein LNG aus Katar beziehe. Doch die Preise schossen in die Höhe, der als Referenzwert betrachtete niederländische TTF-Gaskontrakt lag am frühen Nachmittag rund 50 Prozent im Plus.
Die Aktienkurse in Europa und Asien fielen zum Handelsbeginn. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag gegen Mittag über zwei Prozent im Minus. Der Kurs des Dollar und der Goldkurs stiegen hingegen, weil Anleger vermehrt auf sichere Anlageklassen umsattelten. In volatilen Zeiten sinken besonders die Werte risikoreicher Anlageklassen wie Bitcoin. Der Krypto-Experte Timo Emden erklärte allerdings, dass der Bitcoin sich angesichts der Zuspitzung der Lage "bemerkenswert stabil" zeige.
Besonders stark gaben die Aktienkurse von Fluggesellschaften nach - sie mussten wegen der Krise in Nahost Flüge in die Region vorerst komplett streichen. Wichtige Luftfahrt-Drehkreuze wie Dubai sind betroffen, weil die Lufträume großflächig geschlossen sind. Die Kurse von Öl-Konzernen wie Total oder PetroChina stiegen hingegen.
Auch deutsche Reedereien sind direkt von dem Krieg betroffen. Mindestens 25 Schiffe deutscher Reedereien befinden sich derzeit in den Gewässern des persischen Golfs und damit in oder in unmittelbarer Nähe zum Kriegsgebiet, wie der Verband Deutscher Reeder mitteilte. "Darunter sind zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7000 Passagieren an Bord, die die Region durch die Straße von Hormus aus Sicherheitsgründen derzeit nicht verlassen können."
Ägyptens Präsident Abdel Fattah Al-Sisi äußerte zudem die Sorge, dass der nicht in unmittelbarer Nähe zum Iran gelegene Suez-Kanal betroffen sein könnte. Die drei weltweit größten Reedereien MSC, Maersk und CMA CGM setzten am Samstag nicht nur die Durchfahrt ihrer Schiffe durch die Straße von Hormus aus, sondern auch durch die Meerenge von Bab el-Mandeb, die zum Suezkanal führt. Stattdessen müssen die Schiffe dann die Route an Südafrika und am Kap der Guten Hoffnung vorbei nehmen.
Analysten zeigten sich mit Blick auf die mittelfristigen Aussichten vorsichtig zuversichtlich. "Historisch betrachtet führen steigende geopolitische Risiken meist nur zu vorübergehenden Marktverwerfungen", erklärte etwa Matthew Ryan von Ebury. "In der Regel erholen sich die Märkte relativ rasch, sobald der unmittelbare Schock nachlässt." Die große Frage im vorliegenden Fall sei, ob es zu einer längeren Sperrung der Straße von Hormus kommt.
Im Fall eines langen Konflikts würde insbesondere Europa unter den wirtschaftlichen Folgen leiden, erklärte ING-Analyst Carsten Brzeski. "Europa importiert im Wesentlichen sein gesamtes Öl und einen erheblichen Teil seines Flüssigerdgases (LNG)." Ein massiver Energiepreisanstieg würde die Länder zur Unzeit treffen, da es konjunkturell gerade wieder bergauf gehe.
Th.Gonzalez--AT