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Nordsee-Staaten wollen Windenergie ausbauen - Merz sieht aber nur "Übergangstechnologie"
Beim Nordseegipfel in Hamburg haben die Anrainerstaaten der Nordsee einen beschleunigten Ausbau der Offshore-Windenergie vereinbart. Die Staats- und Regierungschefs von neun Ländern unterzeichneten am Montag in Hamburg eine entsprechende Erklärung. Ziel ist demnach eine sicherere Energieversorgung und Unabhängigkeit von russischem Gas. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Windenergie dennoch als "Übergangstechnologie" - er setze auf die Kernfusion, die alle anderen Stromerzeugungsmethoden mittelfristig überflüssig machen werde.
Neben Energiefragen ging es beim sogenannten Nordsee-Gipfel in der Hansestadt um die Sicherheit im Norden und die Verhandlungen mit den USA über die Zukunft Grönlands. "Vor allem Dänemark und die Bevölkerung Grönlands können sich auf unsere Solidarität verlassen", sagte Merz dazu.
In den vergangenen Wochen hatte US-Präsident Donald Trump die europäischen Länder und insbesondere Dänemark wiederholt brüskiert, indem er eine Übernahme von Grönland forderte. Die Spannungen wurden inzwischen entschärft. Trump verkündete nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in der vergangenen Woche ein Rahmenwerk für ein späteres Grönland-Abkommen. Über dieses soll nun verhandelt werden.
"Es geht um unsere demokratischen Prinzipien, es geht um unsere Integrität und es geht darum, wer wir sind", sagte Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen in Hamburg und bedankte sich für die Unterstützung. "Ich muss sagen, dass Europa meiner Meinung nach in den vergangenen Wochen Stärke und Einheit bewiesen hat."
Trump führt Sicherheitsinteressen gegenüber Russland und China an, die es ebenfalls auf Grönland abgesehen hätten. Neben Sicherheitsfragen geht es zudem um wirtschaftliche Interessen. Washington befürchtet, dass sich russische und chinesische Unternehmen in und um Grönland etwa Ausbeutungsrechte für Rohstoffe sichern oder Land erwerben.
Der erste Nordsee-Gipfel hatte 2022 im dänischen Esbjerg in Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine stattgefunden. 2023 trafen sich die Nordsee-Anrainer im belgischen Ostende. Die Energieversorgung und speziell die Offshore-Windenergie und die angestrebte Unabhängigkeit von russischem Erdgas standen dabei im Fokus.
EU-Energiekommissar Dan Jörgensen bekräftigte dieses Anliegen. "Wir haben uns entschieden, endlich die Importe russischer Energie zu beenden", sagte der Däne. Die EU werde sich nicht mehr erpressen lassen und "nicht mehr indirekt den Krieg in der Ukraine mitfinanzieren".
Konkret verständigten sich Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, die Niederlande und Norwegen auf den grenzüberschreitenden Ausbau von Offshore-Windkraft. Bis zu 100 Gigawatt Erzeugungsleistung soll grenzüberschreitend vernetzt werden. Zudem unterzeichneten Vertreter der Staaten sowie der Offshore-Windindustrie und von Übertragungsnetzbetreibern einen Investitionspakt, um den Nordseeraum zum "weltweit größten Hub für saubere Energie" zu machen, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte.
"Eine sichere und europäisch gedachte Versorgung macht uns souveräner, macht uns resilienter und damit krisenfester", erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). "Unser Ziel ist klar: Wir wollen das enorme Potenzial der Nordsee besser nutzen." Zugleich müsse die dortige Infrastruktur wie Pipelines und Unterseekabel besser geschützt werden.
Kanzler Merz stimmte dennoch bereits den Abgesang auf die Technologie der Windkraft an. Diese sei lediglich eine "Übergangstechnologie", die "uns zehn Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten" werde, sagte er. Er setze darauf, "dass Deutschland den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nimmt". Strom werde dann so günstig sein, dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr brauche.
An der Energieerzeugung mittels Kernfusion wird derzeit noch geforscht. Auch die Bundesregierung hatte Anfang Oktober eine milliardenschwere Förderung dafür bewilligt. Umweltschützer warnen davor, dass die Kernfusionstechnologie falsche Hoffnungen wecken könne und der Fokus auf große Kraftwerke Bemühungen um eine möglichst dezentrale Energieversorgung mit Erneuerbaren entgegenstehe.
F.Wilson--AT