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USA machen Druck: Diplomatische Vertretung in Caracas und Öl-Investitionen als Ziel
Nach ihrem Militäreinsatz in Venezuela machen die USA nun Druck zur Eröffnung ihrer diplomatischen Vertretung vor Ort und zum Start massiver Investitionen von US-Ölfirmen in dem südamerikanischen Land. US-Diplomaten wollten am Samstag in Caracas Gespräche zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen führen, die seit 2019 unterbrochen sind. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die Chefs großer US-Ölkonzerne empfangen, um sie zu Investionen in Venezuela zu drängen. Der ExxonMobil-Chef zeigte sich aber äußerst skeptisch.
Die Regierung von Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez in Caracas habe einen Prozess eingeleitet, "um die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder wieder herzustellen", teilte Außenminister Yván Gil mit. US-Diplomaten, darunter John McNamara, der Geschäftsträger der US-Botschaft im benachbarten Kolumbien, reisten am Freitag nach Venezuela, wie ein US-Regierungsbeamter mitteilte. Caracas wollte seinerseits eine Delegation nach Washington schicken.
Der langjährige Präsident Nicolás Maduro war erst vor rund einer Woche bei einem US-Militäreinsatz in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht worden, wo ihm wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden soll.
Rodríguez wurde zur Übergangspräsidentin ernannt, verurteilte den "kriminellen und illegalen" US-Angriff und zeigte sich zunächst kämpferisch gegenüber den USA. "Wir sind weder Untergebene noch Unterworfene", hatte sie am Donnerstag erklärt. Sie machte nun aber in einer Erklärung deutlich, dass Caracas "auf diplomatischem Weg gegen diese Aggression" der USA vorgehen wolle.
Nach der Freilassung einiger politischer Gefangener in Venezuela hatte Trump am Freitag eine von ihm angedrohte, zweite Angriffswelle gegen Caracas aufgrund der "Kooperation" der dortigen Regierung abgeblasen. Angehörige warteten aber weiter vor Gefängnissen in und bei Caracas auf die Freilassung weiterer Häftlinge. Der Menschenrechtsorganisationen Foro Penal zufolge gibt es in dem Land mehr als 800 politische Gefangene. Bisher seien nur neun freigelassen worden.
Die USA haben nach Trumps Worten die Führung des rohstoffreichen Venezuela übernommen. Die politische Führung in Caracas hatte er aufgefordert, mit Washington zusammenzuarbeiten, auch um die reichen Ölreserven des Landes auszubeuten.
Im Weißen Haus traf Trump am Freitag die Chefs wichtiger US-Ölfirmen, darunter Chevron, ExxonMobil, Conoco Phillips und Halliburton. Der US-Präsident rief die Firmen zu Investitionen in Venezuela auf. Zuvor hatte er gesagt, sie hätten versprochen, 100 Milliarden US-Dollar (86 Milliarden Euro) zu investieren, um die marode Infrastruktur zur Ölförderung wieder aufzubauen.
Der Chef des Ölriesen ExxonMobil, Darren Woods, blieb jedoch skeptisch. Venezuela sei ohne umfassende Reformen "nicht investierbar", sagte er. "Unsere Vermögenswerte wurden dort bereits zweimal beschlagnahmt, und Sie können sich vorstellen, dass für einen dritten Einstieg einige ziemlich bedeutende Veränderungen nötig wären", sagte er.
Trump betonte bei dem Treffen hingegen, dass die Lage in Venezuela nun völlig anders sei als früher, da nun die USA über das Land bestimmen würden. Unter Maduro hätten ausländische Unternehmen keinen nennenswerten Schutz gehabt. "Aber jetzt haben Sie totale Sicherheit. Es ist ein ganz anderes Venezuela", hob Trump hervor.
Verhandlungen über Ölgeschäfte in Venezuela würde ausschließlich die US-Regierung führen, sagte der US-Präsident. "Sie verhandeln direkt mit uns, Sie verhandeln überhaupt nicht mit Venezuela, wir wollen nicht, dass Sie mit Venezuela verhandeln", sagte er an die Konzernchefs gerichtet. "Wir werden die Entscheidung treffen, welche Ölfirmen reingehen dürfen, welchen wir das erlauben und mit welchen Unternehmen wir einen Vertrag abschließen werden."
Die USA halten ihre Ölblockade gegenüber Venezuela derzeit aufrecht. Am Freitag wurde erneut ein Tanker aus Venezuela in internationalen Gewässern beschlagnahmt.
An dem Treffen im Weißen Haus nahmen auch Vertreter von Valero, Marathon, Shell, Trafigura, Vitol Americas und Repsol teil sowie US-Außenminister Marco Rubio und Energieminister Chris Wright. Das Treffen hatte laut Trump das Ziel, sich darüber auszutauschen, "wie diese großartigen amerikanischen Unternehmen dabei helfen können, Venezuelas marode Ölindustrie rasch wieder aufzubauen und Millionen Barrel Öl zu produzieren, von denen die USA, die Bevölkerung Venezuelas und die ganze Welt profitieren werden".
Laut Energieminister Wright wird der Verkauf des venezolanischen Öls "auf unbestimmte Zeit" von Washington kontrolliert. Venezuela soll den USA laut Trump künftig 30 bis 50 Millionen Barrel Öl liefern und mit den Einnahmen daraus ausschließlich US-Produkte kaufen.
Seit dem US-Angriff auf Venezuela und der Gefangennahme des linksnationalistischen Staatschefs Maduro vergangene Woche hatte Trump immer wieder sein Interesse an den großen Ölvorkommen Venezuelas bekundet. Bisher ist Chevron das einzige US-Unternehmen, das über eine Lizenz für Venezuela verfügt.
In den Straßen von Caracas demonstrierten am Freitag erneut hunderte Maduro-Anhänger. Mitglieder paramilitärischer Gruppen, die Maduro unterstützten und bewaffnet und teils vermummt in Caracas unterwegs sind, prangern seit Tagen einen "Verrat" an, der zur Gefangennahme des langjährigen Staatschefs geführt habe. "Wir sind bereit, zu kämpfen", sagte Willians, ein Mitglied des Kollektivs Boina Roja, der Nachrichtenagentur AFP. Für Samstag haben die Regierungsanhänger einen "großen Aufmarsch" geplant.
Ch.P.Lewis--AT