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"Herbstdepression" in der Chemie- und Pharmaindustrie
Die Stimmung in der Chemie- und Pharmaindustrie ist angesichts hoher Standortkosten und weltweiter Überkapazitäten auf einem Tiefpunkt. Im dritten Quartal von Juli bis September seien Produktion, Preise und Umsätze erneut zurückgegangen, die Kapazitätsauslastung sei "deutlich" unter der Rentabilitätsschwelle geblieben, erklärte am Dienstag der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Eine Besserung sei kurzfristig nicht in Sicht. Der Verband sprach von einer "Herbstdepression" in der Branche.
In der Chemie "hakt es an allen Enden", erklärte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Die Produktion sank im dritten Quartal um 0,5 Prozent im Vorquartalsvergleich und um 4,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Nur noch 70 Prozent der Kapazitäten in der Chemie waren ausgelastet. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Produktionsrückgang um zwei Prozent.
Im Pharmageschäft träfen die erratische US-Handelspolitik, Zölle und ein globaler Preisverfall den Standort Deutschland, erklärte Große Entrup. Hier stieg die Produktion zum Vorquartal aber noch leicht um 0,1 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,4 Prozent.
Der VCI kritisierte insbesondere den hohen Strompreis in Deutschland, der im dritten Quartal sogar noch "kräftig" um 17,5 Prozent gestiegen sei. Die oft energieintensiven Unternehmen der Branche könnten die hohen Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben. Stattdessen sanken die Erzeugerpreise in der Chemie- und Pharmaindustrie sogar, und zwar um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal. Entsprechend sanken die Umsätze um 1,5 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal auf 52,1 Milliarden Euro.
Hauptgeschäftsführer Große Entrup erklärte, die Bundesregierung sei sich "dem Ernst der Lage bewusst". Sie habe aber trotz Sondervermögen und einiger wirtschaftspolitischer Kurskorrekturen nicht für eine wirtschaftliche Trendwende gesorgt.
Für das vierte Quartal sei die Branche "überwiegend skeptisch", erklärte der Verband. Die Auftragsflaute in der Chemie "dürfte sich fortsetzen". Er erwartet "weitere Kapazitätsstilllegungen von Chemieanlagen". Das Pharmageschäft verliere an Dynamik, im Jahresverlauf seien die Umsätze zurückgegangen.
Die "Dauerkrise" mache sich auch in der Beschäftigung bemerkbar, Meldungen von geplantem Personalabbau häuften sich, erklärte der Verband. Es brauche aber Zeit, diese Pläne umzusetzen. Bislang sei die Zahl der Beschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie daher nur um 0,5 Prozent zurückgegangen, auf knapp 478.000.
T.Sanchez--AT