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Unternehmen in Deutschland sorgen sich um Versorgung mit Computer-Chips
Unternehmen in Deutschland sehen einer Umfrage zufolge Probleme bei der Versorgung mit Computer-Chips. Derzeit berichten 60 Prozent der Betriebe über Schwierigkeiten bei der Halbleiterversorgung, wie der Digitalverband Bitkom am Mittwoch mitteilte. Als Ursache nennen die Unternehmen vor allem Lieferverzögerungen und Preissprünge, aber auch etwa Exportbeschränkungen. Die Bundesregierung will mit einer am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Mikroelektronikstrategie Abhilfe schaffen.
"Die Lage auf dem Halbleitermarkt bleibt angespannt – auch wenn sich die schlimmsten Engpässe der vergangenen Jahre gelöst haben", erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. 2021 hatten noch 81 Prozent der Unternehmen angegeben, die Beschaffung als problematisch zu erleben, 2023 waren es sogar 89 Prozent.
Auch mit Blick auf das kommende Jahr sehen einige Unternehmen Unsicherheiten: 42 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die Versorgungslage 2026 sehr kritisch oder kritisch sein wird. Immerhin 55 Prozent gehen aber von einer eher guten oder sehr guten Versorgungslage aus.
Viele Unternehmen sehen insbesondere die große Abhängigkeit von Taiwan vor dem Hintergrund eines möglichen chinesischen Angriffs auf die Insel als Risiko, wie Bitkom weiter mitteilte. Laut der Umfrage halten 92 Prozent der Unternehmen, in denen intensiv mit Halbleitern gearbeitet wird, die Drohungen Chinas gegenüber Taiwan mit Blick auf die Halbleiterversorgung in Deutschland für besorgniserregend. Zugleich sehen die meisten Betriebe die USA nicht als zuverlässige Alternative in Bezug auf die weitere Chip-Versorgung: Dem Land vertrauen in dieser Hinsicht nur noch 37 Prozent.
"Halbleiter stecken in Smartphones, in Medizintechnik, in Autos, Industrieanlagen, Rechenzentren und Kommunikationsnetzen – ohne sie stünden viele Bereiche unseres Lebens still", erklärte Wintergerst. Ihrer Herstellung liege ein "hochkomplexes globales Produktionsnetzwerk, in dem viele Länder eng verflochten sind", zugrunde. Da Taiwan darin laut Bitkom neben den USA und China eine zentrale Rolle spielt, würde ein Konflikt um Taiwan die weltweite Chip-Versorgung "massiv stören".
Von Unternehmen mit Sitz in Taiwan beziehen demnach 28 Prozent der Betriebe hierzulande in diesem Jahr ihre Computer-Chips. Die meisten allerdings kaufen der Umfrage zufolge bei Unternehmen mit Sitz in den USA (72 Prozent), gefolgt von Konzernen in China (63 Prozent).
Halbleiter-Firmen mit Hauptsitz in Deutschland folgen mit 54 Prozent auf dem dritten Platz, Unternehmen in Japan auf dem vierten Rang. Von südkoreanischen Unternehmen beziehen 27 Prozent der befragten Firmen ihre Computer-Chips und 26 Prozent aus weiteren EU-Ländern.
"Um dauerhaft unabhängiger zu werden, braucht es mehr europäische Fertigungskapazitäten, strategische Partnerschaften und gezielte Maßnahmen, die die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen", forderte Wintergerst. Ein "wichtiger Schritt" sei daher die Mikroelektronik-Strategie der Bundesregierung.
Diese Strategie ist Teil der sogenannten Hightech-Agenda der Bundesregierung, die sechs Schlüsseltechnologien wie etwa die Künstliche Intelligenz (KI) besonders fördern soll. "Die jüngste Vergangenheit hat die Anfälligkeit der Wirtschaft in ihrer ganzen Breite gezeigt, wenn Chips nicht geliefert werden können und Lieferketten unterbrochen werden", erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Ziel der Strategie sei, dass Deutschland "nicht nur Anwender, sondern auch Entwickler und Hersteller bleibt".
Bitkom begrüßte die Strategie auch mit Blick auf den Fachkräftemangel. Sie soll auch helfen, mehr und besser qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.
Die Umfrage des Bitkom ist nach Angaben des Verbandes repräsentativ. Im Auftrag des Bitkom wurden vom 21. Juli bis zum 31. August 503 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus dem Verarbeitendem Gewerbe, der IT und Telekommunikation befragt, von denen 457 Halbleiter verwenden.
N.Mitchell--AT