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Deutschlands Autoindustrie warnt eindringlich vor Strafzöllen auf chinesische Pkw
Kurz vor dem Inkrafttreten höherer EU-Zölle auf chinesische Elektroautos hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) erneut vor den Folgen für die Wirtschaft in Europa gewarnt. Das erklärte Ziel, faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und die heimische Industrie vor unfairen Praktiken zu schützen, werde damit nicht erreicht, erklärte der VDA am Mittwoch in Berlin. Vielmehr sei das Risiko einer Eskalation des Handelskonflikts "real". Die EU-Kommission sollte eine Verhandlungslösung finden, forderte der Verband.
Die Kommission hatte kürzlich erhöhte Zollsätze für in China produzierte Elektroautos angekündigt. Hintergrund sind Vorwürfe, dass chinesische Hersteller von umfassenden Subventionen profitieren und dies zulasten europäischer Hersteller geht. Am Donnerstag könnten die erhöhten Zölle greifen - bis dahin soll noch mit chinesischen Behörden und Unternehmen verhandelt werden.
Die laufenden Gespräche begrüßte auch der VDA, forderte aber zugleich sie auszuweiten und auf die angekündigten Maßnahmen zu verzichten. Die Zölle würden nicht nur chinesische Hersteller treffen, sondern auch europäische Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen, die in China produzieren - teilweise sogar stärker als chinesische Produzenten.
Der Aufschlag auf den bereits geltenden Zollsatz von zehn Prozent soll den Plänen der EU zufolge beim chinesischen Hersteller BYD 17,4 Prozent betragen, für Geely sind 20 Prozent vorgesehen und für SAIC sogar 38,1 Prozent. Unternehmen wie BMW oder Tesla müssen im gewichteten Durchschnitt mit einem Aufschlag von 21 Prozent rechnen, wenn sie aus China in die EU exportieren. Die Hersteller können in den kommenden Monaten allerdings individuelle Änderungen in Brüssel beantragen.
Der VDA sieht anders als die EU-Kommission keine Überschwemmung des Automarktes durch chinesische Elektroautos. Analysen wiesen darauf hin, dass sich der Marktanteil chinesischer Hersteller am Gesamt-Pkw-Markt in Europa im Bereich von fünf bis zehn Prozent einpendeln werde. 2023 hätten deutsche Hersteller etwa zehnmal so viele E-Pkw in China verkauft wie chinesische Marken in Deutschland.
Der VDA geht davon aus, dass die Einführung höherer Zölle eine Reaktion aus Peking nach sich ziehen wird. Das berge "das reale Risiko einer Eskalation des Handelskonflikts mit China". Bereits kurz nach Ankündigung der EU-Untersuchung habe die chinesische Regierung ein Anti-Dumpingverfahren gegen französischen Branntwein eingeleitet. Seit kurzem laufe eine Untersuchung gegen europäisches Schweinefleisch. "Die Beispiele zeigen, wie schnell sich der Konflikt auf andere Sektoren überträgt und nicht kalkulierbare Schäden anrichten kann", warnte der Automobilverband.
Eine Spirale gegenseitiger Maßnahmen könne in einer Situation resultieren, in dem beide Seiten "wirtschaftlichen Schaden erleiden". Offene Märkte seien für den europäischen Markt wichtig, weil hiesige Hersteller auf Rohstoffe vor allem aus China angewiesen seien. "Die Anti-Subventionszölle würden Elektrofahrzeuge auf dem europäischen Markt verteuern oder dafür sorgen, dass sie gar nicht erst auf den Markt kommen", erklärte der VDA.
T.Sanchez--AT